Spiele zu AMCs The Walking Dead haben bislang selten für Begeisterung gesorgt, abgesehen von der Telltale-Reihe blieb die Bilanz eher durchwachsen. Mit The Walking Dead: Streets of Survival versuchen sich Odaclick Game Studio und Publisher Trailmark Games nun an einem ganz anderen Ansatz: einem Side-Scrolling-Beat-‚em-up im Stil von Streets of Rage. Das Spiel ist seit dem 18. September für PS5, PC, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2 erhältlich. Wir haben uns auf der PS5 durch die Horden gekämpft und schauen, ob der Ausflug in die Apokalypse gelungen ist.
All Out War als Kulisse
Erzählerisch greift das Spiel den All-Out-War-Handlungsstrang auf, in dem Rick Grimes und seine Gefährten versuchen, der Schreckensherrschaft von Negan und den Saviors ein Ende zu setzen. Dabei nimmt sich das Spiel gewisse Freiheiten und erzählt eine eigene Version der Geschichte. Als spielbare Figuren stehen unter anderem Rick, Michonne, Daryl und sogar Negan mit seinem berüchtigten Baseballschläger Lucille zur Verfügung, jeder Charakter bringt dabei einen eigenen Skill-Tree mit. Gerade Fans der Vorlage dürften sich über die Anspielungen freuen: Gegnerische Sprüche verweisen gelegentlich auf düstere Momente aus der Serie, und die dreckige, hoffnungslose Stimmung der Apokalypse wird von Anfang an gut eingefangen.
Kampf zwischen Nahkampf und Schusswaffen
Spielerisch unterscheidet sich Streets of Survival vor allem durch den prominenten Einsatz von Schusswaffen von anderen Genrevertretern. Ihr prügelt euch durch teils weitläufige Level, nehmt es mit riesigen Walker-Gruppen auf und müsst zwischendurch auch mal die Beine in die Hand nehmen, wenn eine Horde zu groß wird. Diese Mischung aus Arcade-Brawler und Survival-Elementen funktioniert überraschend gut und sorgt für einige spannende Momente. Die Level sind solide aufgebaut und dürfen sich gerne blutig präsentieren, wie es die Vorlage erwarten lässt.
Ein größeres Problem ist allerdings die Tiefe: Die Kämpfe sind zwar brauchbar, bieten aber zu wenig Abwechslung, um sich von stärkeren Beat-‚em-ups abzuheben. Auch der lineare Levelaufbau lässt wenig Raum, Begegnungen auf verschiedene Weise anzugehen, und die Schwierigkeitsoptionen fallen schwach aus. Ärgerlich ist außerdem, dass es keine eigene Attacke für am Boden liegende Gegner gibt und dass sich ein Spieler in einer Angriffsanimation festfahren kann, wenn die Kollisionsabfrage nicht sauber greift. Wer sich außerdem einen Koop-Modus erhofft hat, wird enttäuscht: Ihr seid komplett allein in der Apokalypse unterwegs, was zwar zur düsteren Stimmung passt, für ein Beat-‚em-up aber ein spürbares Manko ist.
Optisch setzt das Spiel auf pixelig gestaltete Charaktermodelle, die dem Retro-Charakter des Genres entsprechen und mit der düsteren Kulisse gut harmonieren. Technisch ist die PS5-Fassung allerdings nicht ganz makellos: Die Steuerung könnte etwas direkter reagieren, und auch bei der Bildrate hätten wir uns mehr Stabilität gewünscht, vor allem in Momenten, in denen viele Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm sind. Positiv fällt dagegen die Länge auf: Streets of Survival ist kurz, geradlinig und leicht verdaulich, ein Spiel für zwischendurch, das man an einem Wochenende durchspielen kann.
Fazit
The Walking Dead: Streets of Survival ist keine Katastrophe wie manch anderes Spiel zur Lizenz, aber auch kein Meilenstein. Die düstere Atmosphäre, der Einsatz von Schusswaffen und die Anspielungen an die Serie machen Spaß, doch flaches Kampfsystem, fehlender Koop-Modus und kleinere technische Schwächen bremsen das Erlebnis aus. Wer sowohl The Walking Dead als auch klassische Beat-‚em-ups liebt, dürfte hier für einen fairen Preis von 19,99 Euro ein unterhaltsames Kurzabenteuer finden – alle anderen greifen besser zu ausgereifteren Vertretern des Genres.
