Er war einer der großen Telltale-Klassiker und wurde jetzt noch einmal hervorgeholt: The Wolf Among Us Remastered ist seit dem 29. Oktober 2026 für PS5, Xbox One, Xbox Series X/S und PC erhältlich. Entwickelt wurde die Neuauflage von Telltale selbst, veröffentlicht wird sie von Telltale und PM Studios. Das Original erschien ursprünglich in den Jahren 2013 und 2014 in fünf Episoden und basiert auf Bill Willinghams Comicreihe Fables. Mit der Neuauflage bereitet Telltale das Feld für The Wolf Among Us 2 vor, das aktuell für 2027 angepeilt ist. Wir haben uns die PS5-Fassung angesehen und klären, ob sich die Rückkehr nach Fabletown lohnt.
Märchenfiguren im Manhattan der 80er
Die Geschichte spielt im alternativen New York der Mitte der 1980er-Jahre, wo Märchen- und Sagengestalten unerkannt unter den Menschen leben. Wir schlüpfen in die Rolle von Bigby Wolf, dem Sheriff von Fabletown, der sich mit Snow White auf die Spur eines brutalen Mordfalls begibt. Der Fall droht die Gemeinschaft der Fables zu entlarven und führt uns durch ein heruntergekommenes, regennasses New York. Wer sich keine Zauber leisten kann, um sein Aussehen zu verbergen, wird auf eine Farm abgeschoben, und genau diese Härte macht den Reiz der Geschichte aus.
Der Ton ist düster und erwachsen. Themen wie Vorurteile, Armut, Gewalt, Korruption und das Verhältnis von Autorität und Gerechtigkeit ziehen sich durch die fünf Episoden: Faith, Smoke & Mirrors, A Crooked Mile, In Sheep’s Clothing und Cry Wolf. Das Spiel ist eher bodenständiger als sein Comic-Vorbild, und gerade die menschlichen Probleme seiner Figuren machen es stark. Jede Episode endet mit einer Enthüllung oder einem Cliffhanger, die uns bei der Stange halten, und der abgetrennte Kopf am Ende der ersten Episode zählt weiter zu den schockierenden Momenten der Spielegeschichte. Die Geschichte endet allerdings recht zügig. Wer die Handlung kennt, bekommt hier inhaltlich nichts Neues, denn die Story bleibt unverändert. Wichtig zu wissen: Das Spiel ist ein Titel für Erwachsene, mit drastischer Gewalt und viel derber Sprache, die zu den Figuren passt, aber nicht jedem gefallen dürfte.
Spielprinzip: Telltale-Formel mit Detektivarbeit
Gameplay-seitig bleibt alles beim Alten. Dialoge, das Absuchen von Tatorten, Amtsgebäuden und Wohnungen der Fables sowie Quick-Time-Events bilden das Gerüst. Im Vergleich zu späteren Telltale-Spielen ist The Wolf Among Us weniger stromlinienförmig, und wir übernehmen als Bigby echte Detektivarbeit und lösen ein paar Rätsel. Das Inventar ist simpel gehalten, manche Gegenstände schalten aber später andere Entscheidungsoptionen frei. Das Untersuchen von Objekten fühlt sich mitunter langsam an, und Suchpassagen können den Erzählfluss bremsen. Das Tempo schwankt dadurch an einigen Stellen, und manche Ermittlungsabschnitte wirken weniger dringlich.
Die Quick-Time-Events sorgen für Abwechslung, etwa bei Ausweichmanövern oder Dachverfolgungen. Sie sind unterhaltsam, bleiben aber flach und beeinflussen die Story selten, können jedoch zu einem frühen Game Over führen. Von modernen Maßstäben aus wirken sie ein Stück weit altmodisch.
Die Entscheidungen prägen vor allem Dialoge, Beziehungen und einzelne Szenen. Wie die Bewohner Bigby wahrnehmen, hängt davon ab, wie wir uns verhalten, und manche Figurenschicksale lassen sich verändern. Der Hauptstrang verläuft jedoch auf vorgegebenen Bahnen, und wir hätten uns gewünscht, dass die Entscheidungen mehr Einfluss auf das Gesamtgeschehen haben. Nach jeder Episode zeigt das Spiel, wie andere Spieler entschieden haben, und wer Episoden erneut mit anderen Entscheidungen spielt, füllt eine Enzyklopädie, die als Sammelobjekt dient. Das Remaster ändert an diesem Grundgerüst nichts.
Die Überarbeitung betrifft vor allem die Präsentation. Telltale hat Charaktermodelle, Texturen, Beleuchtung, Animationen, Gesichter und Lippensynchronisation aufgewertet, die Umgebungen sind detaillierter, und der Comic-Look des Originals bleibt erhalten. Die komplette Neuausleuchtung lässt das Spiel deutlich mehr “knallen”, auch Details wie sich bewegende Haare fallen auf. Im Büro des stellvertretenden Bürgermeisters gibt es neue Relikte zu entdecken, etwa ein schwebendes Schiff und Lancelots Rüstung in einem Baum. Das Spiel läuft laut Berichten deutlich flüssiger als die Originalfassung, die mit Rucklern und Aussetzern zu kämpfen hatte. Konkrete Angaben zu Bildrate und Auflösung auf der PS5 sind uns nicht bekannt, deshalb nennen wir hier keine Zahlen.
Ganz sauber ist das Ergebnis nicht. Manche Charakteranimationen wirken weiterhin steif, und das “Telltale-typische Ruckeln” ist nicht völlig verschwunden: Texturen laden teils nicht richtig, kleinere Grafikfehler treten auf, und die Ladebildschirme sind lang. Akustisch punktet das Remaster mit klareren Stimmen. Die Sprecher sind stark, der Soundtrack und die Geräuschkulisse der Stadt tragen die Stimmung, und die Hintergrundgeräusche wirken angenehm dreckig.
Noir-Modus und Bonusinhalte
Neu ist der Noir-Modus, der das gesamte Spiel in Schwarzweiß darstellt und sich jederzeit aus- und wieder einschalten lässt. Die Idee passt zum Detektivthema, und mehr als ein bloßer Filter ist der Modus laut mancher Beobachter auch. Er schwächt aber die Atmosphäre der kräftigen Neonfarben, die das Original prägen, und manche Quick-Time-Prompts sind in Schwarzweiß schwerer zu erkennen. Wir sehen ihn als interessante Option, aber nicht als beste Art, das Spiel zu erleben.
Das Bonusmaterial ist willkommen, aber überschaubar. Dazu gehören Interviews und Making-of-Videos zur Entwicklung und zum Remaster mit mehr als einer Stunde Material, eine Galerie mit Konzeptzeichnungen und fünf spielbare Deleted Scenes, darunter eine alternative Version des Endes. Letzteres ist das Highlight der Extras. Einige der Szenen sind allerdings unfertig, es fehlen Dialoge oder visuelle Elemente, und manche zeigen kleine Fehler. Wir empfehlen, sie erst nach dem Hauptspiel anzusehen.
Fazit
The Wolf Among Us Remastered ist eine sorgfältige Modernisierung eines großen Klassikers. Die Geschichte ist weiterhin packend, die Figuren sind vielschichtig, und das Märchen-Noir-Szenario hat nichts von seinem Reiz verloren. Die aufgefrischte Optik, die klareren Stimmen, der Noir-Modus und die spielbaren Deleted Scenes machen das Paket für Neueinsteiger zu einer Empfehlung und für Fans zu einer schönen Gelegenheit, vor dem Nachfolger noch einmal nach Fabletown zurückzukehren. Gameplay und Entscheidungsstruktur bleiben jedoch unverändert und wirken heute angestaubt, dazu kommen vereinzelte technische Macken und lange Ladezeiten. Wer das Original schon besitzt, bekommt vor allem eine hübschere Verpackung, aber keine neue Geschichte.
