Sechs Jahre nach dem ersten Ausflug ins Dungeon-Crawler-Genre schickt Mojang Studios seine blockigen Helden erneut in den Kampf. Minecraft Dungeons 2 entstand gemeinsam mit Double Eleven und erscheint am 29. September 2026 für PC über Steam und den Microsoft Store sowie weiteren Plattformen. Dank Game Pass und Xbox Play Anywhere ist der Einstieg besonders unkompliziert. Der Vorgänger war charmant, blieb aber sehr leichtgewichtig: eine kurze Kampagne, ein flaches Build-System und wenig Gründe, nach dem Abspann weiterzuspielen. Genau an diesen Schwachstellen setzt der Nachfolger an. Ob das gelingt und wie sich das Action-Rollenspiel auf dem PC schlägt, klärt unser Test.
Story: Ärger im Overworld und eine neue Dimension
Nach dem Sturz des Erz-Illagers ist keine Ruhe eingekehrt. Die Illager haben das Lager an der Squid Coast überrannt, die Überlebenden fliehen übers Meer und gründen die Siedlung Brave Haven, die fortan als Heimatbasis dient. Hinter der neuen Bedrohung steckt die sogenannte Seelenverderbnis, eine Macht, die mit dem Tiefen Dunkel und den Antiken Stätten verbunden ist. Genutzt wird sie von einem Hohen Rat der Illager, bestehend aus einem Magier, einem Verzauberer und einem Illusionisten.
Über geheimnisvolle Portale gelangen die Helden außerdem in The Sift, eine komplett neue Dimension. Das ist mehr als eine Randnotiz, denn The Sift zieht 2027 auch ins Hauptspiel Minecraft ein. Dadurch fühlt sich Dungeons 2 erstmals wie ein fester Bestandteil des Minecraft-Universums an und nicht wie ein losgelöster Ableger. Die Geschichte selbst ist kein erzählerisches Schwergewicht, trägt aber deutlich besser als im ersten Teil. Sympathische Dorfbewohner, klare Ziele und kurze Zwischensequenzen sorgen für Motivation, ohne den Spielfluss ständig auszubremsen. Gerade im Koop ist das ein Vorteil.

Gameplay: Endlich springen, endlich bauen
Die größte strukturelle Änderung betrifft die Spielwelt. Statt einzelne Missionen über eine Karte anzuwählen, erkunden Spieler nun eine zusammenhängende Welt mit deutlich größeren Gebieten. Eine völlig freie Open World ist das nicht, doch der Weg von einem Ende der Karte zum anderen ist ohne Ladebildschirm möglich. Wer es eilig hat, nutzt Lorenstationen als Schnellreisepunkte. Unterwegs warten versteckte Truhen, Nebenquests, Dungeons und optionale Bosse.
Auch im Kampf hat sich einiges getan. Die Helden können jetzt springen, was nicht nur beim Erkunden hilft, sondern auch einen wuchtigen Sprungangriff mit Flächenwirkung ermöglicht. Dazu kommen mehrteilige Kombos und die bekannte Ausweichrolle. Die Pfeile für Fernkampfwaffen laden sich inzwischen automatisch nach, das lästige Munitionssammeln entfällt also. Das Ergebnis ist ein Kampfsystem, das weiterhin leicht zugänglich bleibt, aber spürbar mehr Timing verlangt als der eher simple Vorgänger.

Das Herzstück ist jedoch das überarbeitete Ausrüstungssystem. Statt sechs gibt es nun zwölf Kampfslots. Die Rüstung ist wie im Hauptspiel auf Helm, Brustpanzer, Hose und Stiefel aufgeteilt, wodurch sich Teile verschiedener Sets kombinieren lassen. Neu sind Talismane, von denen bis zu drei gleichzeitig ausgerüstet werden. Sie liefern passive Boni, rufen etwa einen Wolf als Begleiter herbei und werden stärker, je länger sie im Einsatz sind. Klassen gibt es weiterhin nicht, die Wahl des Helden ist rein kosmetisch. Die Spielweise ergibt sich allein aus der Ausrüstung.
Verzauberungen hängen nicht mehr zufällig an Beutestücken. Stattdessen sammeln Spieler Verzauberungsbücher, die in einer persönlichen Bibliothek landen. Beim Verzauberungsschmied lassen sich die Effekte dann gezielt auf beliebige Ausrüstungsslots legen und verbessern. Echosplitter dienen als neue Währung, um Effekte neu auszuwürfeln oder die Gegenstandsstärke zu erhöhen. Beim Schmied werden vorhandene Teile aufgewertet, beim Händler neue ausgewürfelt. Smaragde haben damit endlich einen echten Nutzen.

Ganz rund läuft die Progression aber nicht. Die Obergrenze von 9.999 Smaragden sorgt dafür, dass beim Verschrotten alter Beute schnell Währung verloren geht, obwohl Upgrades oft über 1.000 Smaragde kosten. Verzauberungsbücher sind während der Kampagne zudem recht knapp, sodass wirklich starke Builds häufig erst nach dem Abspann entstehen. Das Seelensystem, auf dem ein ganzer Build-Archetyp aufbaut, wird obendrein nur unzureichend erklärt.
Beim Umfang legt Dungeons 2 kräftig zu. Die Kampagne dauert je nach Spielweise rund 12 bis 16 Stunden, also ein Vielfaches des Vorgängers. Danach warten Nebenquests, Dungeons, wiederholbare Bosskämpfe und zeitlich begrenzte Seelenstoß-Ereignisse, bei denen stärkere Gegner besonders wertvolle Beute fallen lassen. Ein echtes Endgame also, das zum Weiterspielen motiviert.
Im Koop spielt Dungeons 2 seine größte Stärke aus. Bis zu vier Spieler ziehen gemeinsam los, lokal am selben PC, online oder gemischt. Crossplay mit allen Plattformen, Matchmaking und Partycodes machen die Gruppensuche einfach. Ein neues Mini-Inventar erlaubt es zudem, Ausrüstung schnell zu wechseln, ohne dass die ganze Gruppe im Vollbildmenü festhängt.

Grafik und Sound: Vertrauter Stil mit neuem Glanz
Optisch bleibt Minecraft Dungeons 2 seinem Stil treu. Die blockige Welt passt hervorragend zur isometrischen Perspektive, Gegner und Effekte sind stets gut lesbar, auch wenn auf dem Bildschirm das Chaos tobt. Der grafische Sprung zum Vorgänger fällt eher moderat aus, doch die größeren, detailreicheren Gebiete wie die regnerischen Ebenen, die verschneiten Hochländer oder das Dorf Little Howl Hamlet wirken lebendiger und abwechslungsreicher als zuvor.
Der eigentliche Hingucker ist The Sift. Die neue Dimension setzt auf eine pastellige Farbpalette aus Blau, Rosa und Lila, schimmernde Seen und freundliche Kreaturen. Sie ist die erste Minecraft-Dimension neben dem Overworld, die nicht sofort feindselig wirkt, und bildet einen schönen Kontrast zu den düsteren, von der Seelenverderbnis befallenen Gebieten. Bosskämpfe wie das Duell mit dem Verdrehten Wärter sind effektvoll inszeniert, und die Zwischensequenzen versprühen viel Charme.
Akustisch überzeugt vor allem der Soundtrack. Die Musik wechselt fließend zwischen Erkundung, Kampf und Dungeons und verbindet ruhige Klänge im Stil des klassischen Minecraft mit treibenden Stücken für Gefechte und Bosse. Die bekannten Geräusche von Zombies, Skeletten und Creepern sorgen für sofortigen Wiedererkennungswert. Erfreulich für den deutschen Markt: Neben Menüs und Untertiteln ist auch eine vollständige deutsche Sprachausgabe an Bord.

Technik und Steuerung auf dem PC
Technisch zeigt sich Minecraft Dungeons 2 auf dem PC sehr genügsam und gut optimiert. Das Spiel stellt nur geringe Ansprüche an die Hardware, sodass auch ältere Rechner und Laptops problemlos mitkommen. Selbst in hektischen Gefechten, wenn Horden von Gegnern, Zaubereffekte und Explosionen gleichzeitig über den Bildschirm fegen, läuft das Geschehen flüssig und ohne nennenswerte Ruckler. Die Grafikoptionen lassen sich gut an das eigene System anpassen, und auch die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus. Das macht den Titel zu einem idealen Kandidaten für spontane Koop-Abende, bei denen nicht jeder Mitspieler einen High-End-Rechner besitzt.
Getrübt wird der Eindruck allerdings von einigen Bugs zum Start. Vereinzelt bleibt etwa ein Statushinweis an der Spielfigur hängen, der zeitweise das Springen und damit die Erkundung behindert. Ein Neustart schafft oft nur kurzfristig Abhilfe. Für ein Spiel, das so stark auf Bewegung und Entdecken setzt, ist das ärgerlich. Ein Patch sollte hier zügig nachbessern.
Bei der Steuerung haben PC-Spieler die Wahl zwischen Maus und Tastatur oder Gamepad. Mit Maus und Tastatur spielt sich Dungeons 2 größtenteils präzise und angenehm direkt, gerade beim gezielten Einsatz von Fernkampfwaffen und Artefakten. Da Bewegung und Nahkampf jedoch auf derselben Taste liegen, kommt es gelegentlich zu ungewollten Angriffen, und in den wenigen Sprungpassagen fühlt sich die Steuerung etwas hakelig an. Eine alternative Tastenbelegung für freie Bewegung hätte hier geholfen.
Mit Controller wirkt die Steuerung dagegen wie aus einem Guss. Ausweichrolle, Sprungangriffe und Kombos gehen leicht von der Hand, und das Rumble-Feedback verleiht den Treffern zusätzliches Gewicht. Gängige Gamepads werden problemlos erkannt. Wer mit Freunden oder der Familie im lokalen Koop vor dem Bildschirm sitzt, greift ohnehin zum Controller, und auch Solo-Spieler dürften sich mit dem Gamepad auf Dauer wohler fühlen.

Fazit: Der Nachfolger, den der erste Teil verdient hat
Minecraft Dungeons 2 erfindet das Genre nicht neu, macht aber fast alles besser als der Vorgänger. Die vernetzte Welt lädt zum Erkunden ein, Springen und Sprungangriffe bringen spürbar mehr Dynamik in die Kämpfe, und das neue Ausrüstungssystem mit vier Rüstungsteilen, Talismanen und Verzauberungsbibliothek eröffnet endlich echte Build-Vielfalt. Dazu kommen eine längere Kampagne, ein motivierendes Endgame und ein hervorragender Koop-Modus mit Crossplay.
Abzüge gibt es für die knappe Smaragd-Obergrenze, die spärlichen Verzauberungsbücher während der Kampagne, das schlecht erklärte Seelensystem und einige störende Bugs zum Start. Auf dem PC überzeugt das Spiel mit sehr guter Optimierung und niedrigen Hardwareanforderungen. Die Maussteuerung funktioniert gut, der Controller bleibt aber die bessere Wahl.
Wer ein zugängliches Action-Rollenspiel für Abende mit Freunden oder der Familie sucht, bekommt hier zu einem fairen Preis eines der sympathischsten Loot-Spiele des Jahres. Für Game-Pass-Abonnenten ist der Einstieg ohnehin ein Selbstläufer.
