Fast drei Jahre lang war Enshrouded im Early Access auf dem PC unterwegs, jetzt ist die fertige Version 1.0 da, und zum ersten Mal erscheint das Spiel auch auf einer Sony-Konsole. Am 15. Oktober 2026 hat das deutsche Studio Keen Games die PS5-Fassung veröffentlicht, die Xbox-Version ist noch in Entwicklung. Auf dem PC hat das Spiel laut Berichten bereits über fünf Millionen Käufer gefunden. Wir haben uns angeschaut, ob die Konsolenfassung hält, was der Ruf des Survival-Action-Rollenspiels verspricht.

Eine Welt zum Umgraben

Ihr erkundet das zerfallene Königreich Embervale, das vom Miasma, einem giftigen Nebel, geprägt ist. Außerhalb des Nebels bewegt ihr euch frei, im Miasma tickt dagegen ein Zeitlimit, das sich über Sanduhr-Kapseln verlängern lässt. So entstehen Umwege und immer wieder neue Anreize, Gebiete Stück für Stück zu befreien. Die Welt ist abwechslungsreich: Hochweiden, Düsterdickicht, Schwarzmoor und mit Version 1.0 auch eine Vulkanregion mit schwebenden Inseln, in der das Endspiel angesiedelt ist. Greifhaken, Gleiter, Schwimmen und Tauchen sorgen für Bewegungsfreiheit, Höhlen, Tempel und Dungeons liefern zusätzliche Belohnungen. Nachts wird es gefährlicher.

Der große Clou ist die Voxel-Technik: Fast jeder Teil der Landschaft lässt sich umgraben und umgestalten. Das wirkt sich auf den Bau aus, der zu den größten Stärken des Spiels gehört. Ihr könnt vorgefertigte Formen oder einzelne Blöcke setzen, Gebäude in Hänge bauen oder um Ruinen herum planen, mit einem freischaltbaren Baumodus samt frei fliegender Kamera erreicht ihr auch schwierige Stellen. Mit der Version 1.0 kommt außerdem ein Logiksystem namens Sparkworks hinzu, das sich mit Auslösern wie Hebeln oder Druckplatten und Reaktionen wie Türen oder Fallen über einen grafischen Editor verbinden lässt. Das erinnert an Redstone aus Minecraft, komplexe Anlagen verlangen allerdings etwas Einarbeitung. Die Lager-Verwaltung wurde komfortabler, etwa durch das Verbessern von Kisten ohne Ausräumen, und neue Blöcke, Möbel, Pflanzen und Dekoration erweitern die Möglichkeiten. Große Bauprojekte bleiben aber materialintensiv.

Kämpfen, Zaubern, Wachsen

Das Kampfsystem ist bewusst schlicht gehalten: normaler und schwerer Angriff, Ausweichen und Parieren, weitere Möglichkeiten schaltet ihr im Spielverlauf frei. Gegner haben unterschiedliche Angriffsmuster und treten oft in Gruppen auf, das Spawn-System gilt als fair. Feste Klassen gibt es nicht. Über einen umfangreichen Talentbaum entwickelt ihr euch zum Nahkämpfer, Bogenschützen, Magier oder zu Mischformen, Fähigkeitspunkte gibt es durch Quests und das Zerstören von Miasmawurzeln. Besonders Magier profitieren von Version 1.0: Neun neue Zaubertypen, darunter Flächenschaden, Kontrolle, Totems und Beschwörungen wie Skelette, sowie dauerhafte Zauber ohne Ladungsverbrauch, die sich verbessern lassen, machen sie deutlich spaßiger. Zauberstäbe erhalten schwere Angriffe und freischaltbare Luft- und Ausweichattacken. Kritik gibt es an der visuellen Wirkung der Magie, die in einem Test zu schwach erscheint, und daran, dass das Kampfsystem das Genre nicht neu erfindet. Wer allein in Dungeons unterwegs ist, muss mit knackigen Gegnern rechnen.

Die Spielstände bleiben fair: Beim Sterben verliert ihr nur einen Teil des Rucksacks, den ihr am Todesort wieder einsammeln könnt. Essen und Trinken sind optional, Waffen nutzen sich ab, lassen sich aber an der Werkbank ohne Rohstoffe reparieren. Quests sind nach Schwierigkeit farblich markiert, was den Einstieg erleichtert. Die Erzählung bleibt dagegen schlicht: Die Geschichte wird überwiegend über Fundtexte vermittelt, und die Quests selbst sind eher einfach gestrickt. Mit Version 1.0 findet sie aber ein Ende, und die Texte sind erstmals vertont. Auf Deutsch spricht Dietmar Wunder, die deutsche Stimme von Daniel Craig, die Fundtexte, die sich in einer Wiedergabeliste sammeln lassen. Wer lieber beim Bauen zuhört, wird das lieben.

Koop und Technik auf der PS5

Gemeinsam macht Enshrouded noch mehr Spaß. Auf dem PC sind bis zu 16 Spieler möglich, auf der PS5 bis zu acht, beide Fassungen lassen sich auch allein spielen. Aufgaben wie Kämpfen, Erkunden, Materialbeschaffung und Bauen lassen sich gut aufteilen, und Kämpfe fallen mit Freunden deutlich entspannter aus. Ein wichtiger Wermutstropfen ist, dass Crossplay zwischen PC und PlayStation zum Start fehlt, Keen Games arbeitet laut Berichten daran, nennt aber keinen Termin.

Technisch hinterlässt die PS5-Fassung in den Tests einen sauberen Eindruck. Laut Entwickler gibt es einen Performance-Modus mit 60 Bildern pro Sekunde und einen Qualitätsmodus mit 30, auf der PS5 Pro zusätzlich einen Modus mit 60-fps-Ziel. Verbessert wurden unter anderem der Renderer für entfernte Landschaften und Voxel-Gebäude, die Beleuchtung und die HDR-Unterstützung. Die hauseigene Holistic Engine lässt jeden Ort einzigartig wirken, der Soundtrack passt zur Atmosphäre. Kleinere Schwächen sind Gegner, die gelegentlich hängenbleiben, und eine nicht immer optimale Wegfindung. Die PS5-Fassung kostet laut einem Test 39,99 Euro, Besitzer des PC-Early-Access zahlen nicht erneut. Die USK-Freigabe liegt bei 12 Jahren.

Fazit

Enshrouded ist mit Version 1.0 erwachsen geworden und gehört zu den stärksten Survival-Spielen der letzten Jahre. Die veränderbare Voxel-Welt, der Bau, die vielseitigen Charakterentwicklungen und die gelungene Koop-Erfahrung machen das Spiel zur riesigen Spielwiese, die Hunderte Stunden beschäftigen kann. Schwächen sind die schlichte Geschichte, das fehlende Crossplay und ein Kampfsystem, das mehr solide als revolutionär ist. Wer Survival, Bauen und Erkunden mag, sollte zugreifen, wer vor allem Story oder Anspruch im Kampf sucht, wird hier weniger fündig.

Enshrouded
Enshrouded im Test (PS5) – Survival Spielplatz mit Voxel-Freiheit
Gameplay
90
Grafik
88
Sound
82
Steuerung
87
Leserwertung0 Bewertungen
0
Positiv
Veränderbare Voxel-Welt mit umfangreichem Bausystem
Flexible Charakterentwicklung ohne feste Klassen
Neue Magie, Sparkworks-Logiksystem und Endgame-Gebiet in Version 1.0
Koop für bis zu acht Spieler auf der PS5
Negativ
Schlichte Quests und Story vor allem über Fundtexte
Kampfsystem erfindet das Genre nicht neu
Gelegentlich hängende Gegner und schwache Wegfindung
Große Bauprojekte materialintensiv
89

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