Die Fußball-Saison startet jedes Jahr mit derselben Frage: Wie viel ist neu, und wie viel ist nur ein frischer Anstrich? EA Sports FC 27 ist seit dem 25. September 2026 erhältlich, Besitzer der Ultimate-Edition durften schon ab dem 18. September spielen. Entwickelt wurde der Titel von EA Vancouver und EA Romania, auf dem Cover der Standard-Edition ist Kylian Mbappé zu sehen, die Ultimate Plus Edition zeigt ihn zusammen mit Jude Bellingham. Wir haben die PS5-Fassung durchgespielt und schauen, was sich hinter den Neuerungen verbirgt.
Auf dem Rasen: Wer verteidigt, muss mitdenken
Die größte spielerische Änderung betrifft die Defensive. EA hat die Unterstützung durch die KI zurückgefahren und das manuelle Verteidigen aufgewertet: Stehende Tacklings und Grätschen verlangen bewusste Eingaben, zu früh oder falsch getimte Aktionen werden bestraft, und ein zweiter Verteidiger lässt sich gezielt heranziehen, um einen Angriff einzudämmen. Das sorgt für Spannung, weil jede Entscheidung Folgen hat. Die Kehrseite zeigt sich bei der Mitspieler-Steuerung: Außenverteidiger rücken teils aus ihrer Position, computergesteuerte Spieler zögern bei umkämpften Bällen, und in hektischen Phasen wechselt man ständig den Spieler, um die Ordnung wiederherzustellen.
Im Angriff fällt auf, dass Pässe und Kombinationen flüssiger zusammenkommen, Steilpässe präziser sein müssen und Ecken dank der neuen dynamischen Ausführung zu echten Torchancen werden. Spieler mit gutem Gleichgewicht dribbeln auch aus der Balance heraus, PlayStyles wurden neu gewichtet und stützen sich stärker auf die Attribute der Profis. Hinzu kommt ein erweitertes Taktiksystem, das Anweisungen für Ballbesitz und Defensive trennt und individuelle Rollen berücksichtigt. Die verständlichen Erklärungen zu den Spielweisen geben dem Experimentieren einen Sinn und machen die Taktik auch für Gelegenheitsspieler zugänglich. Zusätzliche Regler erlauben es, die Matcheinstellungen feiner an den eigenen Geschmack anzupassen.
Karrieremodus: Der Transfermarkt wird erwachsen
Wer lieber über Jahre einen Verein formt, wird den Karrieremodus am meisten mögen. Der Transfermarkt wurde komplett überarbeitet: Spielerwerte orientieren sich am Expected-Transfer-Value-System von TransferRoom, Vereine bieten aktiv mit, und Verhandlungen laufen in mehreren Stufen mit Optionen wie Leistungsboni und Rückkaufklauseln. Ein neuer Transfer-Hub bündelt alles übersichtlicher. Dazu kommen dynamische Gesamtwerte, die sich nach Form, Moral, Fitness, Verletzungen und Spielzeit verändern, tiefere Spielersuche und eine verbesserte Spielerentwicklung. Wenn auch nicht alles revolutionär ist, fühlt sich der Modus dadurch glaubwürdiger an. Kritisiert werden dagegen in einigen Tests die Menüs des Karrieremodus, die als unübersichtlich gelten.
Ultimate Team, Lizenzen und The Grounds
In Ultimate Team ergänzt die neue FUT Gallery das Sammeln: Ihr stellt Lieblingskarten aus, steigert das Gallery-Level und schaltet Belohnungen sowie Vereinsanpassungen frei. Hinzu kommen holografische Karten, eine Hall of FUT und vereinfachte Bausteinaufgaben. EA hat zudem die Ökonomie angepasst: Mehr Belohnungen sind handelbar, Store-Angebote werden reduziert, Packs sind nach Größe benannt, und der Aufstieg der Spieler läuft gleichmäßiger. Trotzdem bleibt der Druck zu Echtgeld-Ausgaben ein bekannter Kritikpunkt der Serie.
Bei den Lizenzen bietet das Spiel mehr als 21.000 Spieler, über 800 Vereine und Nationalteams, mehr als 140 Stadien und 35 Ligen. Neu dabei sind unter anderem die Liga MX, Lazio mit voller Lizenz sowie Bahia und Botafogo, außerdem wurde die Partnerschaft mit der Bundesliga verlängert. Ein Wermutstropfen bleibt: Atalanta, Inter und AC Mailand fehlen und treten unter Ersatznamen an. Neue Icons wie Sergio Agüero, Pepe oder Christine Sinclair sorgen für Abwechslung.
Der neue soziale Treffpunkt The Grounds mischt Straßenfußball und Stadion mit Kickabouts, 1-gegen-1, Rush-Spielen und Clubs, begleitet von Mentoren wie Alex Hunter, Kylian Mbappé, Chloe Kelly oder Paulo Dybala. Ein Mehrspieler-Hub mit drei Vierteln und temporären Boosts klingt reizvoll, wirkt in Tests aber dünn und bietet wenig Anreiz zum Erkunden.
Fazit
EA Sports FC 27 ist ein Spiel für Fußballfans, die mitdenken wollen. Das strengere Verteidigen, die flüssigeren Kombinationen und der gelungene Karrieremodus machen das Spielen anspruchsvoller und glaubwürdiger. Die schwankende Mitspieler-KI, die dünne The Grounds und der Echtgeld-Druck in Ultimate Team bremsen den Eindruck. Wer Wert auf Taktik und Karriere legt, bekommt auf der PS5 eine solide Saison, wer vor allem neue Ideen sucht, findet sie nur in Ansätzen.
