Mit Lord of Hatred bringt Blizzard die zweite große Erweiterung für Diablo IV auf den Markt und schließt damit den seit dem Hauptspiel erzählten Konflikt um Mephisto ab. Wir haben uns durch die neue Region Skovos gekämpft, beide neuen Klassen ausprobiert und uns die überarbeiteten Endgame-Systeme genauer angeschaut.
Nach den Ereignissen von Vessel of Hatred hat sich Mephisto als wiedergeborener Prophet Akarat ausgegeben und sammelt Anhänger auf seinem Weg zu den Pools of Creation, dem Ursprungsort der Menschheit. Als Wanderer reisen wir diesmal auf die neue Insel Skovos, die sich mit ihren mediterran anmutenden Küstenregionen, dichten Wäldern und vulkanischen Gebieten deutlich vom Rest von Sanctuary abhebt. Die Kampagne dauert rund acht Stunden und bietet damit einen soliden, wenn auch nicht überlangen Umfang. Erzählerisch liefert Lord of Hatred einen würdigen Abschluss der Hatred-Saga, auch wenn nicht jede Wendung völlig überraschend kommt.
Zwei neue Klassen: Paladin und Warlock
Das größte Verkaufsargument der Erweiterung sind zweifellos die beiden neuen Klassen. Der Paladin setzt auf Nahkampf mit Schild und Licht-Magie und bringt echte Support-Fähigkeiten mit, die es in dieser Form bei Diablo IV bisher nicht gab. Zu Beginn wirkt die Klasse allerdings etwas zahm, da frühe Crowd-Control-Optionen fehlen.
Deutlich runder spielt sich der Warlock. Über die beiden Ressourcen Wrath und Dominance beschwören wir Dämonen und dämonische Konstrukte, die sowohl gegen Gegnerhorden als auch in Bossfights ihren Nutzen beweisen. Ab Level 30 lässt sich der Warlock in eine von vier Subklassen spezialisieren, was für zusätzliche Build-Vielfalt sorgt.
05
Endgame und neue Systeme
Neben der Kampagne bringt Lord of Hatred eine ganze Reihe an Systemüberarbeitungen mit, die das Spielgefühl spürbar verändern:
- Horadric Cube: Der lang erwartete Horadric Cube kehrt zurück und erlaubt es, Ausrüstung gezielt zu verbessern und umzuformen – ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem bisherigen reinen Loot-Sammeln.
- Talisman-System: Charms lassen sich in Seals einsetzen und ermöglichen zusätzliche Set-Effekte, ohne dass Legendaries oder Mythics an Bedeutung verlieren.
- War Plans und Echoing Hatred: Zwei neue Endgame-Aktivitäten, die nach Abschluss der Kampagne für zusätzliche Ziele sorgen sollen.
- Torment-Tiers: Die Schwierigkeitsstufen wachsen von vier auf zwölf Torment-Tiers und skalieren nun über das gesamte Spiel statt nur in bestimmten Inhalten.
- Fishing: Ein entspanntes Mini-Feature, das als kleine Verschnaufpause zwischen den Dämonenschlachten dient.
Zusätzlich wurde der Skilltree überarbeitet, der Levelcap auf 70 angehoben und ein Loot-Filter samt transparenter Kartenübersicht nachgereicht – alles Teil des kostenlosen 2.0-Updates, das parallel zur Erweiterung erscheint.
Grafisch bewegt sich Diablo IV weiterhin auf sehr hohem Niveau. Skovos bietet abwechslungsreiche Biome, von sonnigen Küstenabschnitten bis zu düsteren Vulkanlandschaften, und die Inszenierung der Zwischensequenzen bleibt auf gewohnt hohem Blizzard-Niveau. Auch Sounddesign und Musik wissen zu überzeugen. Während des Testzeitraums traten vereinzelt kleinere Performance-Probleme und Progression-Bugs auf, die sich meist durch einen Neustart beheben ließen.
Nicht jede Stimme ist restlos begeistert: Einige Reviews bemängeln, dass die aktuelle Saison inhaltlich recycelt wirkt und der Umfang angesichts des Preises knapp ausfällt. Wer bereits viele Stunden in Diablo IV investiert hat, dürfte dennoch mit den neuen Systemen und Klassen gut bedient sein.
Fazit
Lord of Hatred liefert genau das, was sich Fans von einer großen Diablo-IV-Erweiterung erhoffen: eine packende Kampagne, zwei spielerisch unterschiedliche neue Klassen und ein spürbar überarbeitetes Endgame. Mit dem Horadric Cube, dem Talisman-System und den neuen Torment-Tiers bekommt die Charakterprogression deutlich mehr Tiefe. Wer Diablo IV schon länger begleitet, findet hier einen würdigen Abschluss der Hatred-Saga – Neueinsteiger können dank Skip-Option direkt in die Erweiterung starten und Sanctuary von einer ganz neuen Seite kennenlernen.