Nach dem enttäuschenden MXGP 24 hat sich Artefacts Studio eine Auszeit genommen, die Engine gewechselt und die Physik überarbeitet. Das Ergebnis heißt MXGP 26 – The Official Game, ist seit dem 1. Oktober 2026 für PS5, Xbox Series X/S und PC erhältlich und wird von Nacon veröffentlicht. Wir haben uns die PS5-Fassung angesehen und klären, ob der Neustart gelungen ist oder ob es sich nur um halbe Wahrheiten auf der Zielgeraden handelt.

Unreal Engine 5, neue Physik und ein Spiel, das sich wie ein Neuanfang anfühlt

Der Wechsel von der alten hauseigenen KT Engine auf die Unreal Engine 5 ist der sichtbarste Schritt. Die Strecken wirken detaillierter, die Beleuchtung ist stimmiger, die Zuschauerränge sind voller, und die Fahrer sammeln im Rennverlauf sichtbar Schmutz an. Kleidung flattert im Fahrtwind, Rauch und Staub sorgen für Atmosphäre, und die Fahreranimationen wirken flüssiger als in früheren Teilen der Reihe. Weniger beeindruckend sind die Hintergründe abseits der Strecke, die gegenüber den sorgfältig gestalteten Kursen abfallen. Gelegentliches Pop-in, vor allem beim Start, trübt das Bild leicht. Auf der PS5 läuft das Spiel in der Regel flüssig mit 60 Bildern pro Sekunde.

Das eigentliche Highlight ist aber die Streckenverformung. Während des Rennens graben sich Spurrillen in den Boden, Linien werden tiefer und ausgeprägter, und die Strecke verändert sich Runde für Runde. Das ist mehr als eine optische Spielerei, denn die Ruts beeinflussen, wo ihr in die Kurven geht, wie ihr überholt und wann ihr die Linie wechselt. Dazu kommen unterschiedliche Untergründe wie Dreck und Sand sowie dynamisches Wetter mit Regen, Schlamm und Pfützen. Gerade bei Regen entstehen Situationen, in denen sich ein Kurs von der ersten bis zur letzten Runde völlig anders fährt. Je weniger Fahrhilfen ihr aktiviert habt, desto härter bestraft euch der Untergrund. Wir halten das für das beste Merkmal des Spiels. Kleiner Wermutstropfen: Das System ist nicht bis ins Letzte ausgereizt, denn manche Linien bleiben trotz tiefer Rillen erstaunlich gut befahrbar.

Fahrverhalten: gewichtig, fordernd, nicht immer fair

Auch auf der Physikseite hat sich viel getan. Die Maschinen haben ein spürbares Gewicht, und Fahrer und Motorrad wirken besser miteinander verzahnt. Bremsen, Traktion und Körperposition spielen eine echte Rolle, und das Spiel bewegt sich irgendwo zwischen Arcade und Simulation. Wer einfach nur Gas hält, kommt nicht weit: Anfahrt, Gasdosierung und Positionierung vor Sprüngen entscheiden, ob ihr sauber landet oder euch abwerft. Wer den Dreh heraus hat, wird mit dem befriedigenden Gefühl belohnt, Schwung durch Kurven zu tragen und Sprünge sauber zu setzen.

Perfekt ist das Ganze nicht. Kurven fühlen sich manchmal etwas steif an, mit leichtem Untersteuern, und Korrekturen in der Luft reagieren nicht immer so, wie man es erwartet. Whips und Scrubs laufen gelegentlich unrund, und die automatische Achsenausrichtung führt nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Auch bei Kollisionen schwankt das Spiel: Mal reicht eine Berührung, um euch abzuwerfen, mal fühlt sich ein Rempler wie ein Aufprall gegen eine Wand an. Manche Stürze wirken unverhältnismäßig, etwa wenn ihr Bandenwerbung streift oder einen Sprung leicht verkehrt landet. Dazu kommt, dass es keine Rückspulfunktion gibt. Fehler kosten daher Zeit und Nerven.

Für die PS5 sind DualSense-Vibration und adaptive Trigger vorgesehen. Mit einer Vielzahl an Assistenzoptionen, etwa Traktionskontrolle, Gewichtsverlagerung und Lenkempfindlichkeit, lässt sich die Schwierigkeit anpassen. Ein richtiges Tutorial fehlt hingegen. Neulinge werden mit Techniken wie Whips und Scrubs weitgehend allein gelassen, und gerade zu Beginn dürftet

https://www.youtube.com/watch?v=7P8B83s3cbU ihr oft im Dreck landen.

Modi und Umfang: viel Lizenz, wenig Karriere

Inhaltlich bietet MXGP 26 die komplette Saison 2026. Ihr habt Zugriff auf alle 19 offiziellen Strecken aus MXGP und MX2, die echten Fahrer, Teams und Maschinen. Der Modus Grand Prix ist für Einzelrennen gedacht, die Championship bildet die Saison in MXGP oder MX2 ab, und Kalender sowie Rennlängen lassen sich anpassen. Im Time Attack jagt ihr Bestzeiten mit Ghosts, Medaillenzielen und Online-Ranglisten, und in der Compound, dem Übungsbereich, übt ihr frei auf dem Gelände. Es gibt außerdem ein Schnellrennen mit 20 Fahrern.

Was fehlt, ist ein richtiger Karrieremodus, und das ist die größte Schwäche des Spiels. Es gibt keinen Aufstieg von MX2 zu MXGP, keine Verträge, kein Teammanagement und keine Motorradentwicklung. Der Fortschritt beschränkt sich auf freischaltbare Inhalte und eine Aufgabenliste. Die Anpassung von Fahrer, Helm, Kleidung und Motorrad ist zwar vorhanden, wirkt ohne Karriere aber vor allem kosmetisch und ein Stück weit sinnlos. Auch die KI zeigt Schwächen: Gegner verhalten sich besonders am Start unberechenbar, das Feld zieht sich schnell auseinander, und mit der unterstützten Kupplung gelingt der Holeshot erstaunlich leicht. Auf höheren Stufen fällt der Anstieg der Schwierigkeit zu gering aus.

Online sind bis zu zehn Fahrer gleichzeitig möglich, das Spiel verlangt dafür PlayStation Plus. Es gibt Ranglisten und private Lobbys, und Lücken im Feld können mit KI-Fahrern gefüllt werden. Crossplay und lokaler Splitscreen sind nicht vorgesehen. Das Spiel unterstützt Deutsch als Sprache. Die Standard Edition kostet in den USA 59,99 Dollar. Wer die Fox Holeshot Edition mit kosmetischem Paket wählt, zahlt 69,99 Dollar und erhält Early Access ab dem 28. September 2026. Vorbesteller bekamen außerdem Scrubdesignz-Lackierungen. Einen offiziellen Euro-Preis nennen wir hier nicht.

Fazit

MXGP 26 ist ein deutlicher Schritt nach vorn. Die Unreal Engine 5 sorgt für das beste Aussehen, das die Reihe bisher hatte, und die neue Physik mit dynamischer Streckenverformung macht das Fahren fordernd und befriedigend. Auf der Strecke steckt viel Potenzial, und wer sich eingefahren hat, erlebt packende Rennen. Dem gegenüber stehen der fehlende Karrieremodus, eine inkonsistente KI, unvorhersehbare Stürze und eine abweisende Einstiegshürde für Neulinge. Für Motocross-Fans, die vor allem die offizielle Saison nachfahren wollen, ist der Titel eine Empfehlung. Wer langfristige Motivation und ein Gesamtpaket erwartet, sollte noch auf Updates oder den Nachfolger warten.

Rennen
MXGP 26 im Test: Gelungener Neustart ohne Karriere
Gameplay
77
Grafik
80
Sound
80
Steuerung
70
Leserwertung0 Bewertungen
0
Positiv
Dynamische Streckenverformung, die Rennen und Linienwahl spürbar beeinflusst
Gewichtiges, forderndes Fahrverhalten zwischen Arcade und Simulation
Alle 19 offiziellen Strecken der Saison 2026 mit MXGP und MX2
Dynamisches Wetter mit Schlamm und Pfützen
Viele Assistenzoptionen und mehrere Schwierigkeitsstufen
Negativ
Kein Karrieremodus, kaum langfristige Motivation
Inkonsistente KI, am Start unberechenbar und insgesamt zu leicht
Stürze und Kollisionen wirken teils unfair
Anpassungsoptionen vor allem kosmetisch
75

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