James Bond und Videospiele – das ist eine Beziehung mit Höhen und tiefen Tälern. Seit GoldenEye 1996 wirft kein Bond-Spiel einen längeren Schatten als dieses verwitterte N64-Relikt. Nun wagt IO Interactive, die Schöpfer der gefeierten Hitman-Trilogie, den großen Neustart: 007 First Light erzählt die Origin-Story eines jungen, ungeschliffenen Bond – gespielt von Patrick Gibson – und fragt, was einen Agenten erst zu 007 macht. Eine Herausforderung, die kaum größer sein könnte.

Story & Inszenierung: Kino, das man spielen kann

Der größte Trumpf von 007 First Light ist seine Geschichte. IO Interactive entscheidet sich bewusst gegen einen bereits etablierten Bond und zeigt stattdessen einen impulsiven 26-jährigen, der erst Schritt für Schritt zu dem Agenten wird, den man kennt. Das funktioniert überraschend gut: Die Story ist straff erzählt, wartet mit echten Wendungen auf und baut eine emotionale Tiefe auf, die man einem Bond-Spiel vielleicht nicht zugetraut hätte. MI6, Q und all die ikonischen Figuren des Universums werden liebevoll und eigenständig interpretiert – nicht als Klischee-Pappaufsteller, sondern als echte Charaktere. Das Ergebnis ist großes Bond-Kino, das man selbst steuert.

Gameplay: Hitman-DNA trifft Bond-Fantasie

Wer Hitman kennt, wird die DNA sofort erkennen – und das ist ein Kompliment. Die offenen, Sandbox-geprägten Missionen gehören zu den stärksten Momenten des Spiels. Informationen sammeln, Identitäten übernehmen, Wachen durch die Umgebung austricksen oder einfach lautlos ausschalten: Der kreative Spielraum ist enorm. Q-Gadgets wie die Laser-Uhr oder die Markierungslinse ergänzen das Repertoire stilsicher. Wer möchte, löst Situationen per Stealth, wer lieber eskaliert, darf das auch – das Spiel lässt beides zu. Dazu kommen klassische Actionsequenzen im Uncharted-Stil, die das Tempo heben und für echtes Blockbuster-Feeling sorgen.

Technik & Grafik: Beeindruckend, aber nicht makellos

Die hauseigene Glacier Engine zaubert prachtvolle Schauplätze auf den Bildschirm – Schlösser, Galerien und Villen voller Details, mit überzeugenden Lichtstimmungen, die fast an Raytracing erinnern. Besonders die Zwischensequenzen sehen hervorragend aus und erzeugen echtes Blockbuster-Feeling. Im Performance-Modus (60 FPS) läuft das Spiel auf der Standard-PS5 stabil, muss allerdings Abstriche bei der Bildqualität hinnehmen – Digital Foundry hat das im Detail analysiert. Vereinzelt fallen steife NPC-Animationen auf, und gelegentliche Verbindungsprobleme bei Online-Funktionen stören den Spielfluss unnötig.

Sound: Eine Punktlandung

Der Soundtrack trifft ins Schwarze. Die Musik klingt so sehr nach James Bond, wie ein Bond-Spiel nur klingen kann – ob in ruhigen Schleichpassagen oder großen Actionmomenten. Der Titelsong von Lana Del Rey und David Arnold rundet das Paket stilsicher ab. Waffen, Explosionen und Effekte klingen druckvoll und überzeugend.

Fazit

007 First Light ist das Bond-Spiel, auf das Fans seit Jahrzehnten gewartet haben. IO Interactive überträgt die bewährte Hitman-Formel kongenial auf das 007-Universum und erzählt dabei eine emotionale, eigenständige Origin-Story, die James Bond endlich wieder ernst nimmt. Die offenen Sandbox-Missionen sind schlicht brillant, der Soundtrack eine Punktlandung und Patrick Gibson ein überzeugender neuer Bond. Kleinere technische Schwächen auf der Standard-PS5 sowie gelegentliche Tonbrüche zwischen Stealth und Action trüben den Gesamteindruck minimal – ändern aber nichts daran, dass dies eines der besten Actionspiele des Jahres 2026 ist. Klare Kaufempfehlung für alle, die Bond lieben oder einfach exzellentes Stealth-Action-Gameplay schätzen.

Bond
007 First Light im Test (PS5) – Das beste Bond-Spiel seit GoldenEye?
Gameplay
90
Grafik
82
Sound
87
Steuerung
83
Leserwertung0 Bewertungen
0
Positiv
Starke, emotionale Origin-Story mit echten Wendungen
Herausragende Hitman-DNA in den offenen Sandbox-Missionen
Sieben spielbare Gadgets mit echtem taktischen Mehrwert
Überzeugendes Bond-Feeling dank stimmiger Atmosphäre
Stealth-Ansatz ermöglicht kreative, individuelle Lösungen
Negativ
Bildqualität auf der Standard-PS5 im Performance-Modus ausbaufähig
NPC-Animationen wirken stellenweise steif und veraltet
Gegner-KI könnte in manchen Situationen cleverer reagieren
Kein konsequent stilistisch geschlossenes Bond-Erlebnis – spürbare Tonbrüche
88

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