Mit The Mound: Omen of Cthulhu wagt sich Entwickler Ace Team, bekannt für Clash: Artifacts of Chaos und die Zeno Clash-Reihe, an eine waschechte Neuinterpretation von H.P. Lovecrafts Novelle „The Mound“. Statt jedoch nur eine weitere Lovecraft-Verfilmung abzuliefern, verlegt das Spiel die Handlung in die Ära der spanischen Konquistadoren des 17. Jahrhunderts und verbindet kosmischen Horror mit kolonialer Geschichte. Wir haben uns mit bis zu drei weiteren Mitspielern auf die Suche nach dem sagenumwobenen „Mound“ gemacht.

Willkommen auf der Insel

Als Teil der spanischen Königsflotte plündert ihr im Jahr 1650 die Dschungel Chiles und Argentiniens auf der Suche nach Hinweisen auf The Mound – einem Tor zur unterirdischen Welt K’n-yan und der versteckten Stadt Tsath. Die Geschichte wird größtenteils über Logbücher und Lore-Texte erzählt, die ihr während der Erkundung findet, statt über klassische Zwischensequenzen. Der Spielablauf basiert auf Kontrakten: Ihr nehmt Aufträge an, sammelt eine festgelegte Menge an Beute, Ressourcen oder Hinweisen und kehrt zu eurem Schiff zurück. Wer zu gierig wird oder stirbt, verliert die gesammelte Ausbeute – ein klassisches Extraction-Prinzip, das dem Loop zusätzlichen Nervenkitzel verleiht.

Das eigentliche Herzstück ist das Sanity-System: Übernatürliche Kräfte verzerren eure Wahrnehmung und lassen euch an Halluzinationen zweifeln, ob ein Geräusch real oder eingebildet ist – teilweise imitieren die Kreaturen sogar Stimmen eurer Mitspieler über den Voice-Chat, um euch von der Gruppe wegzulocken. Zusätzlich reagiert der Dschungel auf Lärm: Schüsse, Signalhörner oder hastige Bewegungen können Gegner anlocken, weshalb leises, koordiniertes Vorgehen belohnt wird. So originell dieses Konzept ist, so klar zeigt sich auch die größte Schwäche des Spiels: Kampf und Bewegung wirken bewusst eingeschränkt und mitunter hakelig, was besonders im Solospiel frustrierend werden kann, da es weder unterstützende KI-Bots noch eine Schwierigkeitsskalierung gibt. Im Team mit Freunden dagegen entfaltet das Spiel seinen vollen Reiz.

Technik

Die Umgebungen wirken dicht, atmosphärisch und glaubwürdig bedrohlich – von dicht bewachsenen Wäldern bis zu stockdunklen Höhlen, die nur mit der Laterne erkundbar sind. Die grafische Präsentation ordnet sich klar der Atmosphäre unter und punktet vor allem durch Detailverliebtheit im Leveldesign statt durch technische Spitzenwerte.

Hier liegt zweifellos die größte Stärke des Spiels. Das Sounddesign hüllt euch in eine dichte Klangkulisse aus Tierlauten, knirschendem Laub und beunruhigenden, nicht einordenbaren Geräuschen. Besonders clever: Ein räumliches Proximity-Chat-System sorgt dafür, dass ihr die Kommunikation mit der Gruppe verliert, sobald ihr euch zu weit entfernt – Signalhörner und Pfiffe helfen beim Zurückfinden. In Kombination mit den akustischen Halluzinationen entsteht eine der überzeugendsten Sound-Umsetzungen im Koop-Horror-Genre der letzten Zeit.

Die Steuerung ist funktional, aber bewusst restriktiv gehalten, was zur beklemmenden Grundstimmung passt, gelegentlich aber auch unnötig hakelig wirkt. Wer schnelle, actionreiche Kämpfe erwartet, dürfte von der Trägheit enttäuscht sein – als bewusst eingesetztes Stilmittel zur Erzeugung von Verletzlichkeit funktioniert sie im Koop-Kontext jedoch überraschend gut.

Fazit

The Mound: Omen of Cthulhu ist ein mutiges, in vielerlei Hinsicht polarisierendes Spiel. Sound, Atmosphäre und das originelle Sanity-System gehören zum Besten, was das Koop-Horror-Genre aktuell zu bieten hat. Wer jedoch auf flüssiges Kampfgefühl oder einen überzeugenden Solo-Modus hofft, wird enttäuscht. Als Vollpreis-Titel richtet sich das Spiel klar an eine Zielgruppe: Horrorfans mit einer eingespielten Gruppe, die bereit ist, sich auf Frustmomente einzulassen. Wer diese Bedingungen erfüllt, findet hier eines der atmosphärisch dichtesten Koop-Erlebnisse des Jahres.

Gameplay
73
Grafik
76
Sound
91
Steuerung
70
Leserwertung0 Bewertungen
0
Positiv
Herausragendes Sounddesign mit Proximity-Chat und akustischen Halluzinationen
Originelles Sanity-System mit echtem Einfluss auf die Gruppendynamik
Dichte, glaubwürdige Dschungel- und Höhlenatmosphäre
Ungewöhnliche historische Lovecraft-Interpretation
Negativ
Kämpfe und Bewegung wirken hakelig und eingeschränkt
Solo-Modus kaum empfehlenswert
Missionen können sich bei wiederholtem Spielen repetitiv anfühlen
Steile Schwierigkeitsspitzen
76

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