Mit der Steam Machine bringt Valve zwölf Jahre nach dem ersten, gescheiterten Anlauf einen neuen Versuch ins Wohnzimmer. Diesmal baut Valve die Hardware selbst, statt wie 2015 nur eine Spezifikation für Drittanbieter vorzugeben. Bevor wir in unserer Artikel-Serie tiefer in Setup, Alltag und persönliche Eindrücke einsteigen, ordnen wir hier erstmal ein: Was steckt drin, wie schlägt sich das Gerät im Vergleich zu PS5 Pro und Xbox Series X, und warum ist der Preis so hoch ausgefallen?
Was ist die Steam Machine eigentlich?
Die Steam Machine ist ein kompakter Gaming-PC im Würfelformat (rund 152 x 162 x 156 mm), der SteamOS – Valves Linux-basiertes Betriebssystem – nutzt und Zugriff auf die komplette Steam-Bibliothek bietet. Anders als ein klassischer PC ist sie fürs Sofa gedacht: Plug-and-Play über ein einzelnes HDMI-Kabel, Bedienung primär über Controller, kein Windows, keine komplizierte Einrichtung. Sie positioniert sich damit zwischen Steam Deck und vollwertigem Gaming-PC – als eine Art SteamOS-Konsole fürs Wohnzimmer.
Die technischen Daten im Detail
Im Inneren arbeitet ein semi-custom AMD Zen-4-Prozessor mit 6 Kernen und 12 Threads, der bis zu 4,8 GHz taktet, kombiniert mit einer semi-custom RDNA-3-GPU mit 28 Compute Units, die bis zu 2,45 GHz erreicht. Dazu kommen 16 GB DDR5-Arbeitsspeicher sowie 8 GB dedizierter GDDR6-Grafikspeicher, wahlweise mit 512 GB oder 2 TB NVMe-SSD-Speicher. Valve gibt an, damit die sechsfache Leistung eines Steam Decks zu erreichen, mit dem Ziel von 4K-Gaming bei 60 FPS dank AMD FSR-Upscaling. The Game Post + 3
Unabhängige Benchmarks siedeln die GPU-Leistung ungefähr auf dem Niveau einer RTX 3060, RX 7600 oder Arc B570 an – grob im Bereich der Basis-PS5. Dabei bleibt das Gerät angenehm leise: 20 bis 21 dBA unter Last, bei einem Verbrauch von etwa 173 bis 176 Watt beim Spielen. Wichtig zu wissen: Die „6x Steam Deck“-Angabe stammt von Valve selbst und ist bislang nicht durch einen offiziellen Benchmark bestätigt, sondern eine grobe, oft zitierte Schätzung. Tech InsiderTech Insider
Steam Machine vs. PS5 Pro vs. Xbox Series X
Wie schlägt sich die Steam Machine im direkten Vergleich zur Konsolenkonkurrenz?
PS5 Pro: Die PS5 Pro setzt auf eine GPU mit 60 Compute Units, die rund 16 TFLOPs leistet – 67 % mehr Recheneinheiten als die Basis-PS5, dazu ein 8-Kern-CPU und 16 GB RAM. Die CPU-Architektur (Zen 2) ist dabei unverändert zur Basis-PS5 geblieben, der Fokus liegt komplett auf der Grafikleistung inklusive KI-gestütztem PSSR-Upscaling. TS2NoobFeed
Xbox Series X: Setzt auf eine 12-TFLOPs-GPU (RDNA 2, 52 Compute Units) und einen 3,8-GHz-Achtkerner, ebenfalls mit 16 GB RAM. Seit dem Marktstart 2020 hat sich an der Hardware nichts geändert. Gear Apple
Steam Machine: Mit ihren 28 RDNA-3-Compute-Units und 8 GB dediziertem VRAM bewegt sie sich in der GPU-Rohleistung unterhalb beider Konsolen – die Architektur (RDNA 3) ist zwar moderner als die RDNA-2-Basis von PS5 Pro und Series X, die reine Rechenleistung reicht aber nicht an die stärkeren Konsolen-GPUs heran. Ihr Vorteil liegt woanders: volle PC-Kompatibilität über Proton, Zugriff auf die gesamte Steam-Bibliothek statt auf ein geschlossenes Ökosystem, und ein potenziell offeneres System.
Preislich reicht die Steam Machine von 1.049 US-Dollar (512 GB, ohne Controller) bis 1.428 US-Dollar (2 TB, mit Controller) – deutlich über der Xbox Series X (649,99 US-Dollar) und auch über der PS5 Pro (899,99 US-Dollar). Tech InsiderSHAttered
Warum ist die Steam Machine so teuer?
Der Preis war einer der größten Diskussionspunkte rund um den Launch – und dafür gibt es nachvollziehbare Gründe, unabhängig davon, ob man sie für gerechtfertigt hält:
- Die globale Speicherkrise. Gaming-Hardware-Hersteller konkurrieren aktuell mit den Cloud- und KI-Anbietern Google, Microsoft und OpenAI um Arbeitsspeicher, Storage und GPU-Kapazitäten – alle wetteifern um denselben begrenzten Vorrat an Chips. Das hat RAM- und SSD-Preise branchenweit in die Höhe getrieben, lange nach der ursprünglichen Ankündigung im November 2025. aol
- Verschobene Preisstrategie. Valve hatte ursprünglich angepeilt, ein vergleichbares System für 800 bis 1.000 US-Dollar ganz ohne Speicher und RAM-Aufschlag anzubieten. Am Ende musste das Unternehmen diese Kalkulation revidieren. VideoCardzTech Insider
- Keine Subventionierung. Anders als Microsoft und Sony, die ihre Konsolen bewusst mit Verlust verkaufen, um über Software und Abos zu verdienen, subventioniert Valve die Steam Machine nicht. Der Preis spiegelt also näher die tatsächlichen Herstellungskosten wider als bei klassischen Konsolen. Tech Insider
- Reservierungssystem statt freiem Verkauf. Wegen der hohen Nachfrage bei begrenzter Stückzahl öffnete Valve zunächst ein Losverfahren für Reservierungen, bevor der reguläre Verkauf startete – manche Slots wurden sogar auf eBay für mehr als das Doppelte des Listenpreises weiterverkauft. Wikipedia
Fazit dieser Einordnung
Die Steam Machine ist kein reiner PS5-Pro- oder Series-X-Konkurrent auf dem Papier – ihre GPU-Rohleistung liegt darunter. Ihr eigentliches Verkaufsargument ist die offene PC-Plattform mit SteamOS, Zugriff auf die riesige Steam-Bibliothek und die Flexibilität eines PCs im Konsolenformat. Der hohe Preis erklärt sich vor allem durch die aktuelle Speicherkrise und Valves Entscheidung, das Gerät nicht querzufinanzieren.
In den nächsten Teilen unserer Serie schauen wir uns Einrichtung, SteamOS im Alltag und unsere persönlichen Testeindrücke an. Auch das neue Gamepad Steam Controller 2 werden wir unter die Lupe nehmen und euch davon berichten! Seid gespannt!