Mit der Veröffentlichung auf der PlayStation 5 erlebt Starfield eine zweite Chance – und vielleicht sogar die Version, die das Spiel von Anfang an hätte sein sollen. Nach dem ursprünglich gemischten Feedback zum Release auf PC und Xbox liefert Bethesda nun mit dem großen „Free Lanes“-Update und dem neuen „Terran Armada“-DLC eine deutlich überarbeitete Erfahrung ab. Doch reicht das, um das ambitionierte Sci-Fi-Rollenspiel endgültig auf Kurs zu bringen?
Schon nach den ersten Stunden wird klar: Die PS5-Version ist nicht einfach nur ein Port, sondern die bislang umfangreichste und technisch ausgereifteste Fassung des Spiels – wir waren zumindest nicht mit Problemen betroffen. Gleichzeitig bleibt Starfield aber auch ein typisches Bethesda-RPG – mit all seinen Stärken und Schwächen.
Endlich das ultimative Starfield?
Eines der größten Probleme des Originals war die sterile Weltraum-Erkundung. Genau hier setzt das Free-Lanes-Update an – und das mit spürbarer Wirkung. Statt sich wie zuvor ausschließlich per Schnellreise durch das Universum zu bewegen, kannst du nun innerhalb von Systemen frei fliegen. Dieses Feature verändert das Spielgefühl deutlich, auch wenn es nicht perfekt ist.
Der neue Reisemodus sorgt endlich für ein Gefühl von Raum und Entfernung. Du kannst dein Schiff auf Autopilot setzen, dich frei darin bewegen und unterwegs auf Ereignisse reagieren. Gleichzeitig wirkt das Ganze stellenweise noch etwas leer, da längere Flugphasen nicht immer mit spannenden Inhalten gefüllt sind. Dennoch: Für die Immersion ist dieser Schritt enorm wichtig und bringt Starfield näher an das heran, was sich viele Spieler ursprünglich gewünscht haben.
Auch spielmechanisch hat sich einiges getan. Das Update bringt zahlreiche Verbesserungen beim Loot, Crafting und der Ausrüstung. Besonders das neue X-Tech-System sorgt für mehr Tiefe bei Waffen und Ausrüstung, indem es zusätzliche Modifikationen und seltene Boni ermöglicht. Dazu kommen neue Inhalte wie Fahrzeuge, zusätzliche Orte und überarbeitete Systeme für Außenposten. Gerade Veteranen werden viele dieser Änderungen zu schätzen wissen, da sie bekannte Schwächen des ursprünglichen Spiels gezielt angehen.
Der kostenpflichtige DLC Terran Armada erweitert das Spiel um eine neue Storyline, zusätzliche Charaktere und frische Gameplay-Mechaniken. Die Erweiterung ist zwar nicht so umfangreich wie frühere Add-ons, liefert aber solide Unterhaltung über mehrere Stunden hinweg.
Besonders interessant sind die sogenannten „Incursions“, bei denen feindliche Flotten ganze Systeme blockieren und dynamisch beeinflussen. Das sorgt für mehr Abwechslung im Spielverlauf und bringt etwas mehr Dynamik in die ansonsten oft statische Welt. Allerdings richtet sich der DLC eher an fortgeschrittene Spieler, da ein höheres Level und ein gut ausgebautes Schiff empfehlenswert sind. Für Einsteiger ist der Einstieg entsprechend anspruchsvoll.
Technisch liefert die PS5-Version ein solides Gesamtbild, ohne dabei Maßstäbe zu setzen. Es gibt verschiedene Grafikmodi, die zwischen Performance und Qualität abwägen. Insgesamt läuft das Spiel stabil, allerdings nicht perfekt. In direkten Vergleichen zeigt sich, dass die PS5 teilweise mit etwas höherer Auflösung punktet, während die Xbox-Version in manchen Szenen minimal bessere Frameraten erreicht.
Typisch Bethesda bleiben kleinere Bugs, gelegentliche Ruckler und vor allem die vielen Ladezeiten bestehen. Gerade beim Betreten von Gebäuden oder beim Wechsel zwischen Arealen wird man immer wieder aus der Immersion gerissen – ein Problem, das auch durch die neuen Updates nicht vollständig gelöst wurde.
Inhaltlich bleibt Starfield ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steht ein riesiges Universum mit unzähligen Möglichkeiten, Fraktionen, Quests und Entscheidungsfreiheiten. Auf der anderen Seite leidet das Spiel weiterhin unter einer teilweise schwachen Hauptstory und repetitiven Abläufen.
Seine größte Stärke entfaltet Starfield immer dann, wenn du dich auf Nebenmissionen, Fraktionen und eigene Abenteuer konzentrierst. Hier zeigt das Spiel, was in ihm steckt: spannende Geschichten, interessante Entscheidungen und ein Gefühl von Freiheit, das nur wenige RPGs bieten. Die PS5-Version profitiert zusätzlich von der Hardware der Konsole. DualSense-Features sorgen für ein leicht intensiveres Spielgefühl, während die Performance insgesamt stabil genug ist, um das Erlebnis nicht zu stören. Gleichzeitig merkt man dem Spiel aber weiterhin an, dass es technisch auf einer älteren Engine basiert.
Unterm Strich ist Starfield auf der PS5 genau das geworden, was viele gehofft hatten: kein perfektes Spiel, aber eine deutlich verbesserte und rundere Version. Die neuen Inhalte und Anpassungen machen das Spiel zugänglicher, immersiver und langfristig motivierender.
Ein vollständiger Neustart ist es nicht – aber ein klarer Schritt in die richtige Richtung. Wer bisher gezögert hat, bekommt hier die beste Gelegenheit, in Bethesdas Sci-Fi-Universum einzusteigen.
