Mit Echoes of Aincrad wagt Bandai Namco einen neuen Anlauf im Sword Art Online-Universum: Statt in die Rolle von Kirito zu schlüpfen, erschafft ihr euch eine eigene Spielfigur und erlebt das Schicksal der in Aincrad gefangenen Spieler aus einer frischen Perspektive. Ob dieses Konzept aufgeht und wie sich das Action-RPG auf der PlayStation 5 schlägt, klären wir im Test.

Gameplay: Simpler Loop mit echtem Suchtfaktor

Im Zentrum von Echoes of Aincrad steht ein klassischer, aber wirkungsvoller Gameplay-Loop aus Kämpfen, Erkunden und Charakterentwicklung. Um in der tödlichen Welt von Aincrad zu überleben, müsst ihr Monster besiegen, Quests abschließen und so kontinuierlich stärker werden. Bessere Ausrüstung, neue Fähigkeiten und Levelaufstiege sorgen für eine motivierende Progression, die zum Weiterspielen einlädt.

Die Echtzeitkämpfe funktionieren größtenteils rund: Ihr setzt Waffen-Skills gegen Standardgegner ein, pariert Angriffe mit dem richtigen Timing und kontert anschließend gemeinsam mit eurem NPC-Begleiter. Diese Begleiter lassen sich individuell steuern, ihr könnt entscheiden, ob sie euch dicht folgen oder eigenständig kämpfen sollen. Besonders die Bosskämpfe gegen überdimensionale Gegner mit fiesen Spezialangriffen zählen zu den spielerischen Höhepunkten.

Die Krux liegt jedoch im Missionsdesign, das über weite Strecken kaum über den Genrestandard hinauskommt. Sowohl Story-Quests als auch optionale Nebenmissionen bieten selten wirkliche Überraschungen. Hinzu kommt ein spürbares Recycling von Standard- sowie Bossgegnern, das die anfängliche Begeisterung im späteren Spielverlauf immer wieder trübt. Auch das Erkunden der Areale, anfangs durch fair gesetzte Checkpoints und versteckte Items durchaus reizvoll, verliert nach einigen Stunden an Reiz, da sich viele Umgebungen – insbesondere Höhlenabschnitte – optisch stark ähneln und die Spielwelt an zahlreichen Stellen spürbar leer wirkt.

Auch das große Ganze, die rund 20-stündige Story, hat mit Längen zu kämpfen. Zwar bietet die neue Perspektive auf das bekannte SAO-Szenario einige emotional packende Momente, doch die Handlung braucht spürbar zu lange, um wirklich Fahrt aufzunehmen. Neue Figuren wie die zentrale Begleiterin Iori bleiben dabei eher blass und schöpfen ihr Potenzial nicht vollständig aus.

Grafik und Sound: Anime-Optik mit hohem Detailgrad

Wo Echoes of Aincrad klar punktet, ist die audiovisuelle Präsentation. Der Cel-Shading-Look setzt die Anime-Vorlage stimmungsvoll um und sorgt für ein Erscheinungsbild, das Fans der Serie sofort vertraut vorkommen dürfte. Charaktermodelle, Zwischensequenzen und Kampfeffekte wirken durchweg liebevoll gestaltet, und auch kleine Details sowie Easter-Eggs für Serienkenner sind an vielen Stellen zu entdecken.

Soundtechnisch untermalt das Spiel seine Kämpfe und emotionalen Momente passend, ohne dabei völlig neue Maßstäbe zu setzen. In Kombination mit den gut inszenierten Zwischensequenzen entsteht dennoch eine stimmige Gesamtpräsentation, die dem Anime-Charakter der Vorlage gerecht wird.

Der große Wermutstropfen bleibt die Umgebungsgestaltung: Trotz einzelner sehenswerter Areale wirken viele Abschnitte generisch und untereinander austauschbar. Da sich Echoes of Aincrad inhaltlich eng an das Fantasy-Mittelalter-Setting der Vorlage hält, lässt sich dieser Kritikpunkt dem Spiel jedoch nur bedingt anlasten, mehr gestalterischer Mut hätte der visuellen Vielfalt trotzdem gutgetan.

Technik und Steuerung auf der PlayStation 5

Auf der PlayStation 5 läuft Echoes of Aincrad weitgehend stabil und ohne größere technische Aussetzer. Die Kämpfe reagieren spürbar direkt auf Eingaben, was gerade beim Parieren und Kontern entscheidend ist, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Die Steuerung der Waffen-Skills sowie das Aktivieren der Spezialfähigkeiten eurer NPC-Begleiter, etwa der Heilzone von Iori, geht schnell von der Hand und lässt sich gut in den Kampfrhythmus einbauen.

Kleinere Abstriche gibt es bei der Kameraführung: Speziell in hektischeren Gefechten mit mehreren Gegnern oder besonders großen Bossmonstern kann es zu Übersichtsproblemen kommen, bei denen die Kamera nicht immer optimal positioniert ist. Diese Momente bleiben zwar die Ausnahme, trüben den ansonsten runden Spielfluss aber gelegentlich.

Unser Fazit

Echoes of Aincrad ist kein schlechtes Spiel – im Gegenteil: Die frische Perspektive auf die bekannte Story, der gelungene Cel-Shading-Look sowie der motivierende, wenn auch nicht sonderlich originelle Gameplay-Loop sprechen klar für das Action-RPG. Auch das Kampfsystem macht abseits kleinerer Kamera-Schwächen Spaß, und die Liebe zum Detail für die Anime-Vorlage ist an vielen Stellen spürbar.

Gleichzeitig steht sich das Spiel immer wieder selbst im Weg. Das langsame Erzähltempo, das repetitive Leveldesign, die zu leere Spielwelt sowie das nervige Gegner-Recycling summieren sich über die rund 20-stündige Spielzeit zu spürbaren Dämpfern für den Spielspaß. Auch die Inszenierung der Story bleibt trotz einiger starker Zwischensequenzen zu häufig hinter ihren Möglichkeiten zurück, insbesondere weil der eigene Einfluss auf die Haupthandlung selten wirklich spürbar wird.

Unterm Strich erwartet euch mit Echoes of Aincrad ein solides Anime-Action-RPG, das durchaus Stärken zeigt, sein vorhandenes Potenzial aber nie ganz ausschöpft.

Echoes of Aincrad
Echoes of Aincrad im Test – Guter Kampfspaß mit Schwächen
Gameplay
70
Grafik
75
Sound
75
Steuerung
75
Leserwertung0 Bewertungen
0
Positiv
Interessante neue Perspektive auf die bekannte SAO-Story
Einige toll inszenierte Zwischensequenzen
Sehr schicker Anime-Look
Negativ
Quälend langsames Erzähltempo
Ermüdendes Leveldesign
An vielen Stellen zu leere Spielwelt
Nerviges Gegnerrecycling (inkl. Bossgegner)
73

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