Mit The 7th Guest Remake bringt Vertigo Games einen der bekanntesten CD-ROM-Klassiker der 90er Jahre auf die PS5. Das Original von 1993 gilt als Pionier des Genres und kombinierte damals erstmals Full-Motion-Video mit klassischen Point-and-Click-Rätseln. Wir haben uns die Flachbild-Version für PS5 genauer angeschaut, die technisch auf der 2023 erschienenen VR-Fassung basiert und nun ganz ohne Headset spielbar ist.
Story und Atmosphäre
Wir schlüpfen in die Rolle des titelgebenden siebten Gastes und erkunden die Villa des exzentrischen Spielzeugmachers Henry Stauf. Sechs weitere Gäste wurden einst eingeladen, verschwanden jedoch auf mysteriöse Weise. Nach und nach decken wir auf, was in jener Nacht wirklich geschah. Die Geschichte wird über spektrale Szenen erzählt, in denen echte Schauspieler per volumetrischem Video in die 3D-Umgebungen eingebettet wurden. Das sorgt für eine angenehm unheimliche, leicht morbide Grundstimmung, die trotz des campy Tonfalls der Original-Dialoge gut funktioniert. Die Villa selbst ist liebevoll und detailreich gestaltet und macht auch abseits der Rätsel Spaß beim Erkunden.
Rätseldesign
Das Herzstück von The 7th Guest Remake sind, wie schon im Original, die zahlreichen Knobelaufgaben. Statt die alten Rätsel einfach zu übernehmen, wurden viele davon überarbeitet oder komplett neu gestaltet. Die Aufgaben verlangen Beobachtungsgabe, logisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen und erinnern in ihrer Machart an Rätselreihen wie Professor Layton. Wer nicht weiterkommt, kann auf ein Hinweissystem zurückgreifen, das über gesammelte Münzen aktiviert wird. Hier hätten wir uns allerdings etwas mehr Zwischenstufen gewünscht, da die Hinweise recht schnell direkt zur Lösung überspringen, statt uns länger selbst tüfteln zu lassen.
Auf der PS5 läuft The 7th Guest Remake solide, auch wenn man dem Spiel an einigen Stellen seine VR-Herkunft anmerkt. Dazu zählen etwa fehlende sichtbare Hände der Spielfigur und eine etwas unrunde Hock-Animation. Kleinere Bugs und gelegentlich hakelige Steuerung trüben den insgesamt positiven Eindruck nur leicht. Besonders erwähnenswert ist das Preismodell: Für rund 20 Euro erhalten wir nicht nur die Flachbild-Version, sondern über Cross-Buy automatisch auch die passende PSVR2-Fassung dazu. Das gilt auch rückwirkend für alle, die bereits die VR-Version von 2023 besitzen.
Wer sich auf Stauf Mansion einlässt, sollte mit etwa fünf bis sieben Stunden Spielzeit rechnen. Sammelobjekte, versteckte Details und eine Trophäenliste mit Platin-Trophäe sorgen zusätzlich für Anreize, noch einmal genauer durch die Villa zu streifen.
Fazit
The 7th Guest Remake ist eine gelungene Wiederbelebung eines Genre-Klassikers. Wir bekommen eine dichte, leicht schaurige Atmosphäre, clever konstruierte Rätsel und eine Geschichte, die dank neuer Inszenierung deutlich besser altert als das Original. Kleinere technische Schwächen und ein etwas zu großzügiges Hinweissystem trüben das Bild nur minimal. Für Fans von Rätsel-Adventures und alle, die dem Original-Klassiker eine zweite Chance geben möchten, ist dieser Ausflug ins Jahr 1993 auf der PS5 klar zu empfehlen.