Seit Octopath Traveler vor acht Jahren mit seinem markanten HD-2D-Look überzeugte, hat Square Enix dieses visuelle Konzept in zahlreichen Rollenspielen weiterverfolgt – von Dragon-Quest-Remakes bis Triangle Strategy. Mit The Adventures of Elliot: The Millennium Tales betritt nun erstmals ein Action-Adventure dieses ikonische Diorama-Universum, und das Ergebnis ist eine faszinierende Mischung, die unweigerlich an einen sehr bekannten Nintendo-Helden erinnert.

Eine Reise durch ein ganzes Jahrtausend

Elliot ist ein gewöhnlicher Abenteurer, der sich mit kleinen Aufträgen seinen Lebensunterhalt verdient – bis er auf eine mysteriöse Tür stößt, die in die Vergangenheit führt. Als der skrupellose Minister Kaifried diese Entdeckung für seine eigenen Zwecke missbrauchen will, eskaliert die Situation: Elliot wird getötet und nur durch die Fee Faie wiederbelebt, die ihn von nun an auf seiner Mission begleitet, das Königreich Huther und die erkrankte Prinzessin Heuria zu retten. Was nach einem klassischen Fantasy-Plot klingt, entwickelt sich über viele Spielstunden zu einer Geschichte, die sich über vier verschiedene Zeitalter und damit ein gesamtes Jahrtausend erstreckt. Genau dieses Konzept macht den narrativen Reiz des Spiels aus: Dieselbe Spielwelt erscheint gleich viermal, sieht aber je nach Epoche völlig anders aus – wo heute die prächtige Königsstadt steht, findet man Jahrhunderte zuvor nur ein notdürftiges Zeltlager auf den Ruinen einer vergangenen Zivilisation.

Gameplay: Klare Zelda-Verwandtschaft

Die spielerische DNA von The Adventures of Elliot lässt keinen Zweifel daran, wer hier Pate stand. Aus der Vogelperspektive erkundet man die Welt, sprengt mit Bomben Felsen, überwindet mit magischen Gegenständen Abgründe und löst klassische Rätsel in Dungeons. Die Fee Faie erhält im Spielverlauf immer mehr Fähigkeiten, die sowohl in Kämpfen als auch bei der Rätsellösung hilfreich sind – wahlweise von der KI gesteuert oder von einer zweiten Person übernommen.

Wo das Spiel an Tiefe verliert, ist im Kampfsystem: Mit nur drei Aktionen (Standardangriff, schwerer Angriff, Blocken) und fehlender Ausweichrolle bleibt es vor allem in den ansonsten kreativ inszenierten Bosskämpfen zu simpel. Zwar gibt es sieben unterschiedliche Waffentypen, in der Praxis greift man aber meist nur zu Schwert und einer Fernkampfwaffe, weil das Wechseln über ein Radialmenü den Spielfluss stört. Ein klassisches Levelsystem fehlt ebenfalls – stattdessen gibt es Maginite, Edelsteine mit Bonuseffekten, die über ein Gacha-System erworben werden. Eine ungewöhnliche, aber durchaus interessante Designentscheidung.

Umfang & Präsentation als klare Stärken

Wer gerne erkundet, kommt bei The Adventures of Elliot voll auf seine Kosten: Dungeons, Herausforderungsschreine im Stil von Breath of the Wild und zahlreiche Nebenquests mit voll vertonten Dialogen sorgen für viel Inhalt. Die Präsentation ist über jeden Zweifel erhaben: Der HD-2D-Stil mit animierten 2D-Sprites in einer tiefenscharfen 3D-Umgebung sieht hervorragend aus, die englische und japanische Sprachausgabe ist exzellent (eine deutsche fehlt leider), und der orchestrale Soundtrack bleibt lange im Ohr.

Fazit

The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ist ein Spiel mit klarer Identität: Es will keine Kampfsystem-Sensation sein, sondern punktet mit einer liebevoll erzählten Zeitreise-Geschichte, einer dichten, mehrfach wiederverwendeten Spielwelt und einer Präsentation, die den HD-2D-Stil auf ein neues Level hebt. Wer entdeckungsfreudig ist und sich an einem simplen, aber funktionalen Kampfsystem nicht stört, bekommt hier ein rundum charmantes Action-Adventure. Spieler, die ein forderndes, komplexes Kampfsystem erwarten, sollten ihre Erwartungen anpassen oder sich vorher den Trailer ansehen. Insgesamt eine Empfehlung für alle, die Story und Erkundung über taktische Tiefe stellen.

The Adventures of Elliot: The Millennium Tales im Test – HD-2D-Abenteuer mit Zeitreise-Twist
Gameplay
76
Grafik
90
Sound
90
Steuerung
76
Leserwertung0 Bewertungen
0
Positiv
Kreativ inszenierte Bosskämpfe
HD-2D-Look in absoluter Bestform
Erkundung macht durchgehend Spaß
Maginit-System bringt etwas taktische Tiefe
Starke Sprecher und toller Soundtrack
Negativ
Kampfsystem bleibt zu simpel
Kein echtes RPG-Levelsystem
Waffenwechsel bremst den Spielfluss
85

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