Survival-Spiele und Gemütlichkeit – das klingt zunächst wie ein Widerspruch. Doch das deutsche Zwei-Personen-Studio Cyberwave beweist mit Solarpunk, dass beides wunderbar zusammenpassen kann. Am 8. Juni 2026 erschien das lang erwartete Cozy-Survival-Adventure auf PS5, Xbox Series X/S, PC und Nintendo Switch 2 – und über eine Million Steam-Vormerker zeigen, wie groß die Erwartungen waren. Ob Solarpunk diese erfüllt? Jein – aber auf eine sehr charmante Weise.
Spielwelt & Atmosphäre: Eine Welt zum Verlieben
Statt karger Ödnis oder zombieversuchter Apokalypse landet man in Solarpunk auf einer wunderschönen Welt aus schwebenden Inseln, auf denen Technik und Natur in Harmonie existieren. Der comichafte Look mit warmen, gedämpften Farben, abgerundeten Formen und herzigen Tierchen sorgt sofort für ein wohliges Gefühl. Pigs, die Trüffeln aufspüren, wenn man gut zu ihnen ist, Gewitter, vor denen man rechtzeitig Schutz suchen sollte, und Inseln, die mit dem eigenen Luftschiff erkundet werden wollen – Solarpunk hat unbestreitbar Charme und eine klare Vision. Die Musik unterstreicht die entspannte Stimmung perfekt, und sogar der Abstand zwischen den Hintergrundtracks lässt sich individuell einstellen.
Gameplay: Bauen, Farmen, Automatisieren
Der Kern von Solarpunk ist simpel und befriedigend: Ressourcen sammeln, eine Basis aufbauen, Felder anlegen und nach und nach Prozesse automatisieren. Solarpanels, Windkraftanlagen und Batterien erzeugen nachhaltigen Strom, der Sprinkler und Transportdrohnen antreibt – bis das Zuhause in der Luft fast von selbst läuft. Der Baumodus ist erstaunlich tiefgehend und lässt kaum Wünsche offen: Verschiedene Baustile, Möbel und Dekoelemente erlauben echte kreative Entfaltung, die fast mit Die Sims mithalten kann.
Bis zu vier Spieler können gemeinsam im Online-Koop bauen und erkunden, jeder mit seinem eigenen Inventar und Luftschiff. Das funktioniert entspannt und ohne Konkurrenzdruck – ideal für gemeinschaftliche Abende. Einziger Wermutstropfen: Crossplay zwischen Plattformen fehlt zum Launch komplett.
Schwäche: Leerlauf und fehlende Tiefe
Wer klassisches Survival erwartet, wird enttäuscht. Hunger, Durst und Müdigkeit existieren zwar, spielen aber eine untergeordnete Rolle. Das ist gewollt – und für Cozy-Fans ein Pluspunkt. Problematisch sind hingegen die gelegentlichen Leerlaufphasen, wenn man auf seltene Ressourcen wie Baumwolle warten muss, ohne sinnvoll weiterzukommen. Auch die Einführung ins Spiel ist eher sparsam: Wer Führung braucht, muss sich vieles selbst erschließen. Dazu gesellen sich kleinere Bugs in Menüs und eine leicht hakelige Steuerung auf der PS5, die dem entspannten Erlebnis gelegentlich in die Quere kommt.
Fazit
Solarpunk ist kein perfektes Spiel, aber ein sehr sympathisches. Cyberwave hat als Zwei-Personen-Team etwas Beachtliches geschaffen: eine lebendige, charmante Welt, in der Bauen, Farmen und Automatisieren echte Freude machen. Wer nach einem entspannten Feierabend-Titel sucht, der keinen Stress macht und kreative Freiheit bietet, ist hier goldrichtig. Wer tiefes Survival-Gameplay oder viel Abwechslung erwartet, sollte die Erwartungen zurückschrauben. Mit weiteren Patches und Content-Updates hat Solarpunk das Zeug zum Cozy-Geheimtipp des Jahres.