Ein Zombie, ein Gefrierfach und ganz viel Liebe

Dass ein Spiel mit dem Titel Stupid Never Dies keine ernste Geschichte erzählt, überrascht niemanden. Trotzdem ist die Ausgangslage so herrlich schräg, dass man sofort wissen will, wohin die Reise geht. Du spielst Davy, einen schüchternen Zombie ganz unten in der Monster-Hierarchie, der in einem verlassenen Einkaufszentrum ums Überleben kämpft. Eines Tages entdeckt er die Cheerleaderin Julia, die tiefgefroren im Lager eines Eisladens liegt, und verliebt sich auf den ersten Blick. Sein Ziel: Julia wiederbeleben und sie anschließend um ein Date bitten.

Hinter dem Spiel steckt das neue Studio GPTRACK50, gegründet von Veteranen aus dem Umfeld von Devil May Cry, Resident Evil und Dragon’s Dogma. Das Spiel ist seit dem 21. Oktober 2026 für PlayStation 5 und PC erhältlich. Wir haben uns die PS5-Version genauer angesehen.

Gameplay: Beißen, wachsen, wiederholen

Im Kern ist Stupid Never Dies ein Action-Roguelite mit Arcade-Einschlag. Davy steigt durch zufällig aufgebaute Ebenen immer tiefer in die Unterwelt hinab, um dort den bösen Gott KOM zu stellen und Julia zurückzuholen. Jede Ebene steckt voller Monster, die sich mit Kombos und Fähigkeiten erledigen lassen und am Ende wartet jeweils ein Bosskampf. Die Läufe sind bewusst kurz gehalten, sodass sich ein Versuch oft schon vorbei anfühlt, bevor er richtig begonnen hat. Genau das erzeugt den Sog, der dich immer wieder neu starten lässt.

Als Zombie ist Davy unsterblich, und das Spiel macht daraus sein wichtigstes Motivationswerkzeug. Nach jedem Tod wird dein dauerhafter EXP-Multiplikator erhöht, abhängig davon, wie viel Erfahrung du im Lauf gesammelt hast. Eine Niederlage ist also nie verschenkte Zeit und selbst ein schlechter Run bringt dich weiter. Das nimmt viel Frust aus dem Genre und macht den Titel auch für Einsteiger zugänglich, die sonst einen Bogen um Roguelites machen.

Stupid Never Dies Screenshot 01

Stupid Never Dies Screenshot 02

Style Eat und Body Hack: Verwandeln und Aufrüsten

Die auffälligste Idee ist das Style-Eat-System. Davy beißt Gegner an und übernimmt ihre Gestalt, insgesamt stehen zehn Kreaturen zur Wahl, darunter Harpyien oder Lichs. Jede Form bringt eigene Angriffe, Reichweiten und ein anderes Spieltempo mit, und die Verwandlung funktioniert auch aus einer bereits angenommenen Gestalt heraus. Dadurch wechselst du mitten im Kampf munter zwischen Stilen. Wer Gegner gezielt frisst, statt sie mühsam klein zu hacken, kommt zudem schneller durch die Ebenen. Ein Kritikpunkt bleibt die Balance, denn manche Formen wirken deutlich stärker als andere.

Zwischen den Kämpfen schraubst du an Davys Körper. Das Body-Hack-System liefert Körperteile mit Statuswerten und teils aktiven Effekten, die du in den Ebenen findest und kombinierst. Dazu kommen Burger, mit denen du neue Fähigkeitsoptionen freischaltest. Beide Systeme sind angenehm leicht zu durchschauen und geben jedem Lauf ein eigenes Gesicht. Gerade dieser Unterbau hält die Wiederholungen frisch und sorgt dafür, dass du immer ein neues Ziel vor Augen hast, auch wenn der eigentliche Kampf einmal nicht ganz rund läuft.

Stupid Never Dies Screenshot 03

Kampf und Pacing: Hier hakt es

Beim Kampf scheiden sich die Geister. Das Spiel verzichtet auf ein klassisches Ausweichen und auf eine Lock-on-Funktion, stattdessen gibt es den Stupid Parry, der als Lauf-Dash umgesetzt ist. Das fühlt sich weniger geschmeidig an als ein stehender Block und bei vielen Gegnern auf engem Raum fehlt es an Kontrolle. Den Kämpfen fehlt etwas der richtige Flow, um wirklich rund zu sein. Trotz der vielen kreativen Ideen drumherum. Vor allem Fans präziser Action-Spiele dürften sich hier schwertun.

Auch beim Tempo schwankt das Spiel. Der Einstieg gilt als zäh, auch weil er mit Erklärungen und Dialogen überladen ist. Danach nimmt die Mitte spürbar Fahrt auf, bevor sich gegen Ende die Abläufe wiederholen können. Die Handlung nimmt sich selbst nicht ernst und lebt vom Mut zum Unsinn, geht dabei aber nicht immer in die Tiefe.

Stupid Never Dies Screenshot 04

Grafik und Sound: Scribblecore trifft Pop-Punk

Optisch geht Stupid Never Dies seinen eigenen Weg. Der Look erinnert an eine Mischung aus Graffiti und Cartoon, mit grellen Farben und Street-Ikonografie. Die Zombie-Ästhetik dient dabei eher als Kulisse, denn ein Horrorspiel ist das hier nicht. Die Levelumgebungen wirken kreativ und abwechslungsreich, und die Charaktere sind aufgrund ihres Designs sofort einprägsam. Wer Spiele im Stil von Suda51 mag, dürfte sich schnell zuhause fühlen. Die Inszenierung lebt von ihrem Mut zur Albernheit. Das gilt auch für die Dialoge, die allerdings nicht überall zünden. Teilweise bleiben sie simpel, und die schrillen Figuren haben abseits ihres Aussehens nicht immer viel zu erzählen.

Beim Sound spielt das Spiel seine größte Stärke aus. Der Soundtrack ist komplett im Pop-Punk-Stil gehalten und umfasst insgesamt 80 Songs, darunter zwei Titelsongs. Das Intro “Stupid Never Dies” und das Ending “Restless, Reckless, Never Die, Fearless” werden von den Hauptfiguren Davy und Julia gesungen. Der Opener ist ein echter Ohrwurm und samt Musikvideo direkt vom Startmenü aus abrufbar. Die Musik treibt das Geschehen konstant an und passt perfekt zum Zeitgeist der frühen 2000er, an den das ganze Spiel erinnert.

Wer die Glorious Idiot Edition wählt, bekommt mit dem Paket TickTock Teddies: Nonsense Overload kosmetische Extras, die Optik, Effekte und Hintergrundmusik verändern. Das ist eine nette Spielerei, für den Spielspaß aber nicht nötig.

Stupid Never Dies Screenshot 05

Steuerung: Schnell gelernt, aber mit Eigenheiten

Die Steuerung ist angenehm zugänglich. Die wichtigsten Aktionen wie Angriff, Spezialattacke, Sprung und Biss liegen logisch auf den Hauptknöpfen des DualSense, und das Wechseln zwischen den Verwandlungen geht über das Steuerkreuz flott von der Hand. Selbst im größten Gewusel finde ich die richtige Taste, ohne nachdenken zu müssen. Auch die vielen Fähigkeiten, die nach und nach hinzukommen, lassen sich gut in den Spielfluss einbauen, ohne dass ich von der Menge der Optionen überfordert werde.

Gewöhnungsbedürftig ist eher das Bewegungsgefühl. Davy ist anfangs bewusst träge und tapsig und auch im Einkaufszentrum schlurft er wie ein echter Zombie durch die Gänge, bis ein praktisches Fortbewegungsmittel die Wege angenehmer macht. Da eine Zielerfassung fehlt, muss ich Angriffe selbst ausrichten, was bei flinken oder fliegenden Gegnern etwas Übung verlangt. Mit der Zeit sitzt das besser, richtig straff fühlt sich die Bewegung aber nie an. Die Vibration des DualSense unterstützt das Spielgefühl und macht Treffer und Aktionen spürbar.

Stupid Never Dies Screenshot 06

Stupid Never Dies Screenshot 07

Unser Fazit zu Stupid Never Dies

Stupid Never Dies ist ein Spiel, das man nicht mit anderen verwechselt. Es hat Persönlichkeit, einen tollen Soundtrack, eine charmante Grundidee und ein Roguelite-System, das auch nach Niederlagen motiviert. Das Style-Eat-System sorgt für Abwechslung, und die kurze Struktur der Läufe lädt zum “Nur noch einmal” ein.

Gleichzeitig bleibt der große Wurf aus. Das Kampfsystem findet nicht immer seinen Rhythmus, das Fehlen von Lock-on und Ausweichen ist gewöhnungsbedürftig, die Dialoge sind teils schwach und das Pacing hat Schwächen. Wer ein präzises, tiefes Action-Erlebnis erwartet, wird möglicherweise enttäuscht. Wer dagegen ein schräges, stilvolles Abenteuer mit viel Charakter sucht, wird hier bestens unterhalten.

Mit 49,99 Euro für die Standard Edition ist der Preis fair. Und dank der kostenlosen Demo gibt es keinen Grund, nicht selbst reinzuschnuppern.

Stupid Never Dies im Test: Pop-Punk-Zombie-Action mit Charme und Macken
Gameplay
80
Grafik
80
Sound
80
Steuerung
80
Leserwertung0 Bewertungen
0
Positiv
Style-Eat-System mit zehn Verwandlungen
Motivierende Roguelite-Progression
Eigenständiger Grafikstil
Starker Pop-Punk-Soundtrack
Negativ
Kampfsystem ohne richtigen Flow
Kein Lock-on und kein Ausweichen
Teils schwache Dialoge
Pacing mit Längen
80

Leave a comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.