Mit Nioh 3 liefert Team Ninja ein weiteres Kapitel seiner gnadenlosen Samurai-Soulslike-Reihe ab – und diesmal fühlt es sich so an, als hätte das Studio all seine bisherigen Erfahrungen gebündelt und zu einem besonders dichten, anspruchsvollen und zugleich überraschend zugänglichen Abenteuer geformt. Auf der PS5 entfaltet sich ein Action-Rollenspiel, das sowohl Veteranen der Serie als auch Neueinsteiger fordern will, ohne unfair zu wirken.
Schon die ersten Spielstunden machen klar: Nioh 3 setzt erneut auf das bewährte Fundament aus präzisem Nahkampf, komplexen Builds und einer tiefen Ausrüstungsmechanik, erweitert dieses aber sinnvoll. Das Kampfsystem wirkt spürbar flüssiger als zuvor. Die Wechsel zwischen den Kampfhaltungen gehen intuitiver von der Hand, Kontermechaniken sind klarer lesbar und neue Spezialfähigkeiten sorgen dafür, dass sich jede Waffe noch individueller anfühlt. Egal ob Katana, Odachi, Kusarigama oder die neuen Hybridwaffen – jede Spielweise hat ihren eigenen Rhythmus und belohnt sauberes Timing.
Besonders gelungen ist die Weiterentwicklung des Ki-Systems. Ressourcenmanagement bleibt zentral, fühlt sich aber weniger restriktiv an. Durch neue passive Skills und temporäre Buffs entstehen dynamische Gefechte, in denen man öfter aggressiv spielen kann, ohne sofort bestraft zu werden. Gleichzeitig bleibt Nioh 3 gnadenlos, wenn man unkonzentriert wird: Ein falsch gesetzter Ausweichschritt oder ein verpasster Burst-Counter kann in Sekunden das Aus bedeuten.
Die Levelstruktur kombiniert erneut halb-offene Areale mit klar geführten Pfaden. Dabei sind die Umgebungen abwechslungsreicher als je zuvor. Von nebelverhangenen Bergpässen über brennende Dörfer bis hin zu mystischen Yokai-Dimensionen bietet das Spiel eine starke visuelle Vielfalt. Versteckte Abkürzungen, optionale Mini-Bosse und geheime Schreine motivieren zum Erkunden, ohne den Spielfluss zu bremsen. Besonders positiv fällt auf, wie clever viele Gebiete vertikal aufgebaut sind – das gibt den Karten mehr Tiefe und sorgt für spannende Überraschungsmomente.
Die Story tritt wie gewohnt eher subtil in Erscheinung. Wer sich nur durchkämpfen will, kann das problemlos tun, doch wer Item-Beschreibungen liest und Nebenmissionen verfolgt, entdeckt eine überraschend dichte Erzählung rund um Ehre, Verrat und übernatürliche Mächte im feudalen Japan. Die Charaktere wirken greifbarer als in den Vorgängern, und einige emotionale Wendepunkte bleiben tatsächlich im Gedächtnis – etwas, das der Reihe bislang nicht immer gelungen ist.
Technisch zeigt sich die PS5-Version von ihrer starken Seite. Die Ladezeiten sind quasi nicht vorhanden, was das typische „Sterben, neu starten, weiterkämpfen“-Prinzip deutlich angenehmer macht. Grafisch punktet Nioh 3 mit scharfen Texturen, stabiler Bildrate und eindrucksvollen Lichteffekten. Besonders Partikeleffekte bei Magieangriffen und Bossfähigkeiten sehen großartig aus. Zwar erreicht das Spiel nicht ganz die cineastische Opulenz mancher AAA-Titel, überzeugt aber mit klarer Bildsprache und stilvoller Inszenierung.
Auch der Sound verdient Lob. Die musikalische Untermalung passt sich hervorragend dem Geschehen an: ruhige, atmosphärische Klänge beim Erkunden, treibende Percussion in Bosskämpfen. Waffenprall, Schreie der Gegner und magische Effekte sind druckvoll abgemischt und vermitteln ein gutes Gefühl für Trefferfeedback. Mit Kopfhörern entfaltet sich eine angenehm dichte Klangkulisse, die viel zur Spannung beiträgt.
Die Steuerung ist präzise und direkt. Jede Aktion fühlt sich bewusst an, Ausweichrollen, Blocks und Angriffe reagieren zuverlässig auf Eingaben. Dank umfangreicher Anpassungsmöglichkeiten lässt sich das Button-Layout individuell konfigurieren, was gerade für erfahrene Spieler ein großer Pluspunkt ist. Nur in hektischen Massenschlachten kann die Kamera gelegentlich etwas zickig werden – ein altbekanntes Problem des Genres, das auch Nioh 3 nicht vollständig ausmerzt.
Langzeitmotivation entsteht vor allem durch das Loot-System und die zahlreichen Endgame-Inhalte. Neue Schwierigkeitsgrade, spezielle Herausforderungsmissionen und kooperative Modi sorgen dafür, dass man auch nach dem Abspann noch dutzende Stunden investieren kann. Builds zu optimieren, Sets zu sammeln und immer stärkere Gegner zu bezwingen, bleibt eine enorme Motivationstreiber – besonders für Spieler, die gerne tüfteln und experimentieren.
Unterm Strich ist Nioh 3 ein kompromissloses Action-RPG, das seine Wurzeln kennt, aber genug frische Ideen mitbringt, um sich nicht wie bloße Wiederholung anzufühlen. Es fordert Geduld, Lernbereitschaft und Konzentration, belohnt diese aber mit einem der tiefgründigsten Kampfsysteme auf der PS5 und einer beeindruckenden spielerischen Dichte.
